Goazin.de – Interview mit Arne

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Interview mit Arne, dem Gründer und Chefredakteur von Goazin.de, einem neuen, jungen Onlinemagazin für die psychedelische Tanzgemeinde aus Hamburg, Deutschland!

Hallo Arne! Du bist Gründer und Chefredakteur von Goazin.de, einem noch jungen Magazin über die internationale psychedelische Tanzkultur aus Hamburg! Erzähl uns kurz von Dir: was hat dich motiviert? Was treibt Dich an und was ist das Ziel deiner umfangreichen, lebendigen Berichterstattung über die Psytranceszene?

Ich bin ein 26-jähriger Psytrance-Liebhaber aus der Hansestadt Hamburg und ebenfalls leidenschaftlicher Texter – ob Reden, Interviews, Werbebeiträge, Zeitungsartikel – ich liebe das Schreiben. Seit fast 10 Jahren fahre ich jetzt auf die Festivals und Gatherings dieser Szene und habe mich seit Tag 1 verliebt. In die Atmosphäre, die Musik und nicht zuletzt natürlich die Menschen. Kurz gesagt: in den Tribe-Spirit.

Naja und da fast jeder in dieser Szene irgendwas beisteuert, sei es Schmuck, selbstgemachte Klamotten, die eigene Musik, die Dekorationen, die Party-Organisation usw. und ich in all’ diesen Bereichen sehr untalentiert bin, habe ich mir die Frage gestellt, was ich zu der Szene und zu ihrer Entwicklung beitragen kann. Und das Ergebnis war Goazin.de, also Kommunikation. Ein Magazin, dass die Szene aus der Perspektive der neueren Generation betrachtet, nicht aus der Perspektive eines Musikexperten oder weltweit vernetzten Szene-Gurus. Und ich glaube, dass es deshalb auch so gut ankommt. Ich möchte die Werte weitergeben, die ich in dieser Szene gelernt habe. Subjektiv. Denn ich habe das Gefühl, dass Dinge wie Nächstenliebe, Achtsamkeit und Toleranz auch bei uns abnehmen und das möchte ich verhindern. Im Rahmen meiner Möglichkeiten.

Was bedeudet Psytrance für dich, wie war dein erster Kontakt mit dieser Kultur?

Mein erster Kontakt war der Trance-Floor auf der Fusion 2008. Auf der Fusion ist das ja ein wenig der Außenseiter-Floor und die Leute von der Turmbühne & Co. Sprachen zum Teil sogar etwas verächtlich darüber. Doch ich habe mich direkt in die Atmosphäre dort verliebt und die halbe Fusion auf dem Trance Floor verbracht. Danach ging es mit kleinen, illegalen Partys weiter und steigerte sich dann langsam zu regelmäßigen Wochenend-Besuchen in Hamburg.

Tja, warum die Faszination mich nicht mehr losgelassen hat? Weil Psytrance, mit mehr und mehr Abstrichen, die letzte wirkliche musikalische Subkultur ist, die ich kenne. Außerdem geben dir diese Musik und die Menschen dazu das Gefühl, dass es einfach „mehr“ gibt, auf dieser Welt. Spiritualität und Selbstfindung sind in keiner anderen musikalischen Szene so stark Thema und das hat mich fasziniert, denn das ist es, was die Welt heute braucht. Und in meiner kleinen Welt möchte ich diesen Bestandteil und Spirit einfach nicht mehr missen.

Wieviel Festivals hast Du schon besucht, was war dein persönlicher Favorit und welches Festival würdest Du gerne mal besuchen oder darüber schreiben?

Sehr viele. Los ging alles mit 15 Jahren. Mein erstes Festival war das Force Attack Festival (Punkrock). Es folgten noch einige Punkrock-Festivals, bis ich mich dann langsam zur elektronischen Musik entwickelte. Im Jahr darauf dann die erste Fusion. Und naja, seitdem fahre ich eigentlich nahezu jedes Jahr auf Events. Bisher waren das u.a. Waldfrieden / Hai in den Mai, Indian Spirit, Shining Festival, O.Z.O.R.A., Psy-Fi, Antaris, VooV, Fusion, Sommernachtztraum und wirklich unzählige Open Airs und sonstige Events in dem Bereich.

Wo ich noch aufholen muss, das sind die internationalen Events. Meine nächsten großen Ziele sind die Mo:Dem, Lost Theory, das BOOM Festival, Shankra, Burning Mountain und Tree Of Life. Danach sehen wir weiter. Schreiben tue ich über alle Events, die ich besuche. Ich möchte mich in nächster Zeit einfach mehr auf die familiäreren, kleineren Events konzentrieren, die nicht unbedingt den kompletten Fokus auf’s Line-Up und den Floor legen. Es gibt einfach soviel drum herum und genau dafür ist auch Goazin da.

Es gibt das Mushroom Magazine, Chaishop.com & Trancentral sowie viele andere internationale Seiten die über Psytranceszene berichten, was macht Goazin anders?

Naja, das müsste man eigentlich die ganzen Leute fragen, die es so mega positiv aufgenommen haben. Aus meiner Sicht ist es der Fakt, dass ich einerseits eine gewisse Unbedarftheit mitbringe. Also ich bin kein Produzent, kein DJ, kein Veranstalter oder sowas. Ich schreibe einfach das, was ich in dieser Szene erlebe. Als Fan. Und mein Fokus liegt nicht nur auf der Musik und den Events, sondern auf allen Menschen, die mit dieser Szene irgendwas zu tun haben. Und auf den Dingen, die diese Menschen interessieren könnten, auch außerhalb von Partys und Dancefloors. Ich bin streitbar und scheue mich auch vor keinen Diskussionen, mag sie sogar, weil sie für Fortschritt sorgen. Andererseits bin ich aber eben nicht nur unbedarft, sondern im Online-Marketing sehr professionell unterwegs, da ich das eben hauptberuflich mache. So konnte ich, schneller als andere, mehr Menschen im Netz erreichen. Vor allem über Google. Das war sowohl gut für die Besucher, als auch für die Veranstalter, die bei mir ihre Partys promoten. Im Endeffekt ist Goazin also ein erfolgreiches Psytrance Magazin geworden, weil es nicht nur über Psytrance berichtet 😉

Wie siehst du Hamburg als heimliche Hauptstadt des deutschen Psytrance und wie siehst du Hamburg als Schnittstelle für die globale Psytrance Szene?

Naja, zunächst einmal hat sich hier wirklich viel entwickelt. Auch schon zur Anfangszeit, z.B. im Atisha. Die bekanntesten, aber eben auch kommerziellsten Acts der Szene, kommen u.a. aus dieser Stadt. So ist Hamburg Psytrance Fans weltweit ein Begriff, zumindest die Musik aus Hamburg. Die Stadt ist ja schon immer das Tor zur Welt gewesen, also bietet es sich für jede Musik und Szene an, hier aktiv zu werden. Hinzu kommt die Techno-Vergangenheit der Stadt.

Ich denke aber, das Hamburg eher die Hauptstadt des Progressive Trance ist, nicht des Psytrance. Aber eigentlich wollte ich diese Unterscheidungen ja sein lassen. Als Schnittstelle hat Hamburg auf jeden Fall jede Menge zu bieten, aber in beide Richtungen; Underground und Kommerz. Es gibt hier eine aktive Underground Szene, aber eben auch die größten Techno-Labels und Plattenlabels, die hier Referenzen und Niederlassungen haben. Zuletzt zeigte das ja die Gerüchteküche um Neelix Signing bei „Kontor Records“ ganz gut. Gleichzeitig finden einige der größten Indoor Events der Republik hier statt und auch die Veranstalter und kleineren Psytrance Labels sind entsprechend hier vor Ort. Neelix kommt von hier, Fabio ebenso, Klopfgeister, Kularis und ebenso Organisatoren der großen Festivals. Eigentlich die perfekten Voraussetzungen, die Szene stark zu entwickeln. Nur wohin, das ist die Frage.

Wie stehst du zum Thema Staat, Polizei und Festivals in unserer Szene?

Ohje, so viele große Begriffe. Und da ich ehrlich gesagt noch nie schlechte Erfahrungen mit der Polizei auf Goa Festivals gemacht habe, fällt mir ein Statement da schwer. Überrascht hat mich die massive Polizeipräsenz bei der ForRest Explosion (ca. 1.000 Besucher) und die kaum vorhandene Präsenz zur Antaris (mehrere Tausend Besucher). Ich denke, dass hier mit sehr viel Willkür agiert wird, oder nach Beliebtheitswerten des Veranstalters. Auch das Sprengen von irgendwelchen illegalen Partys finde ich fragwürdig, da ja im Prinzip nur wenige Menschen zusammen Musik hören, meistens irgendwo, wo es sowieso niemand mitbekommt. Außer eben der eine Rentner, der dann die Polizei ruft. Ich finde, dass angesichts der beinahe 100%igen Gewaltfreiheit auf Goa Festivals und des wesentlich geringeren Alkoholkonsums, den Events ruhig mehr Toleranz entgegengebracht werden könnte. Und das dies auch mal von offizieller Seite bestätigt wird. Kaum Krankenwageneinsätze, keine Schlägereien, relativ saubere Gelände, die hinterlassen werden – ist doch ein Lob wert.

Wer aber 2012 die Stürmung des O.Z.O.R.A. Festivals erlebt hat, der weiss, dass wir in Deutschland eigentlich keinen Grund haben, uns zu beschweren. Ich kann allgemein nur für verbindlichere und faire Regelungen plädieren, an die sich ALLE halten müssen, auch die Polizei.

Kommerz vs Spirit vs Underground..wo ist dein Standpunkt ?

Irgendwo dazwischen. Ich bin kein kompletter Kommerzgegner, das war ich auch schon beim Punkrock nicht. Eigentlich ist es ja gut, dass immer mehr Menschen lieber Psytrance hören, anstatt Helene Fischer. Deswegen finde ich es schön, wenn z.B. Diskos sich an diese Musik trauen. Was ich schade finde ist, dass mit der Kommerzialisierung auch immer eine Entfremdung mit den Werten einer Szene und Musikrichtung einhergeht. Aus einem Grund; die Kommerzialisierer wissen davon gar nichts. Das Ziel muss es also sein, das Underground Feeling und den Spirit auch an die Kommerzschiene weiterzugeben, sodass nicht nur BTM-Konsum und schnelle Elektromusik beliebter werden, sondern auch die damit verbundenen Werte, die Atmosphäre usw. Und da genau liegt das Problem: die Kommerzialisierung wird nicht von den Leuten betrieben, die diese Werte kennen, weil die, die sie kennen, sich gegen Kommerzialisierung stellen. Eine Symbiose wäre hier die Lösung – wenn die Menschen, die diese Szene lieben, sie professionalisieren und kommerzialisieren würden, anstatt das dem Kapital zu überlassen. Oder wenn die Szene-Urgesteine z.B. den Tunnel Club beraten würden, wie man eine richtige Psytrance Party im großen Maßstab auf die Beine stellt, statt einfach nur dagegen zu pöbeln. Und da sehe ich eben auch den Auftrag von Goazin – vor allem im werbetechnischen und Online-Marketing Bereich.

Club oder Festival unter freiem Himmel?

Kann ich sehr klar beantworten. Club nur noch dann, wenn es absolut sein muss, z.B. magazintechnisch, also beruflich. Ich habe den Indoor Partys ansonsten komplett abgeschworen, weil ich mich dort einfach nicht mehr wohlfühle. Dann muss ich im Winter halt auf die brasilianischen Festivals ausweichen 😀 Also, definitiv unter freiem Himmel.

Dein Lieblingstrack, Dein Lieblingskünstler?

Sehr schwer! Ich höre noch soviel mehr als Psytrance, ob nun Hip Hop, Songwriter usw. Also aktuell höre ich gerne mal wieder das Album „Surrealistic Pillow“ von Jefferson Airplane, besonders den Song „Today“ liebe ich über alles. LSDirty ist ja gerade so ein wenig hypemäßig unterwegs und der Hype hat mich auch erwischt. Was immer geht, sind 1200mics, Berg und Juno Reactor. Lieblings-Track ist aktuell immer das, was ich auf meinen Büro-Kopfhörern Auf und Ab höre: „Believer“ von Imagine Dragons, „Handlebars“ von Flobots, „Black“ von Danger Mouse und Norah Jones. Und den Sesto Sento vs. Static Movement Remix von „Power of Celtic“, ein Klassiker von Shiva Shidapu aus dem Jahr 1997.

Deine Message an die Welt da draussen?

Überwinde dich selbst und du wirst die Welt überwinden.

Vielen Dank für das Interview und wir wünschen Dir und Goazin viel Erfolg!

www.goazin.de

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