april 25

Yaniv
I am Yaniv and I come from Tel Aviv

(taken from: mushroom magazine 10/98)

Text & Fotos: Kai Mathesdorf

 

Vor zwei Jahren habe ich in Goa einen ziemlich smarten Burschen getroffen. Er legte in der ShoreBar auf und machte einen angenehm uncoolen Eindruck, was angesichts seiner israelischen Herkunft besonders ungewöhnlich war. So kam man ins Gespräch und hat einen Nachmittag zusammen verbracht. Er drückte mir damals eine Visitenkarte mit merkwürdigen Hyroglyphen in die Hand und erzählte, daß München seine zweite Heimat geworden sei. Heute ist Yaniv eine der Grundfesten des Trance in Deutschland. Warum das so ist, erzählt er hier...

Kai: Du bist Israeli und hast deine Homebase in München, was ja nicht unbedingt der psychedelische Nabel der Welt ist. Erzähl‘ etwas zu deiner Geschichte.

Yaniv: Ich bin 25 und habe Israel - mal abgesehen von kleinen Urlaubstrips - im Alter von 20 Jahren verlassen. Ich bin damals um die ganze Welt gezogen, immer auf der Spur nach Psychedelic Sounds und Parties. Ich habe drei Seasons in Goa und Indien verbracht, war auf Ibiza, in England, Frankreich und in Deutschland. Nach Deutschland bin ich hauptsächlich gekommen, um etwas Geld zu verdienen. Ich habe Sonnenbrillen und Weihnachtsmützen auf der Straße verkauft.

Kai: Warum gerade in München?

Yaniv: Eigentlich wollte ich nur drei Tage hierbleiben, um ein paar Klamotten, die ich nicht verkauft hatte, meinem Freund Ran, der jetzt übrigens Hovek Olam macht, zurückzubringen. Dann habe ich Bianca kennengelernt und bin ich hiergeblieben... (lacht). Ich bin im Natraj Temple gelandet und habe angefangen, bei Container Records in München zu arbeiten. Zusammen mit Alex, dem Inhaber von Container, habe ich dann ein Label gegründet: Hadshot Haheizar. Das lief gleich erstaunlich gut. Dazu haben wir noch ein Sublabel gestartet, das balloonia heißt. Darauf wird israelischer Trance veröffentlicht, der nur dort und nur auf CD zu haben ist. Wir veröffentlichen diese Tracks für den europäischen Markt auf Vinyl. Auch das hat sich sehr gut angelassen. Wir haben nur gemerkt, daß die Vertriebe unsere Sachen nicht richtig vermarktet haben und daß wir viele Leute so nicht erreichen konnten. Dann kam Bianca dazu und wir haben zunächst zu dritt unseren eigenen Vertrieb Cosmophilia gegründet. Alex hat sich später wieder mehr um seinen Laden gekümmert. Auch Cosmophilia funktioniert wirklich gut; wir haben unsere Sachen so gut an den Mann bringen können, daß auch andere Label auf uns gekommen sind; und mittlerweile sind wir einer der größten Vertriebe für Psychedelic Trance weltweit.

Kai: Wie lange hat das gedauert?

Yaniv: Wir sind letztes Jahr im September gestartet.

Kai: Erstaunliches Tempo. Das Hadshot Logo besteht aus Hyroglyphen. Was bedeutet es?

Yaniv: Im Techno sind Namen nicht übermäßig wichtig; DJs wissen oft nicht einmal die Namen der Künstler, die sie da auflegen. Es gibt - bis auf ein paar Ausnahmen - keine Groupie-Kultur; es ist kein Pop und diese Wiedererkennungsmechanismen sind für Techno nicht wichtig. Wir hatten einen Namen und schrieben die Buchstaben auf und haben nach einer Meditation aus den Buchstaben Bilder gezeichnet. Diese Hyroglyphen haben wir übersetzt und das ist dann unser Name geworden. Auch alle unsere Platten haben eine geheime Botschaft, die man entschlüsseln kann. Das ist cool für die Leute.

Kai: Von Haus aus bist Du ja eigentlich DJ...

Yaniv: Das habe ich von Anfang an immer mit Bianca zusammengemacht. Wir haben hier in Deutschland angefangen aufzulegen und sind jetzt ziemlich viel in Gesamt-Europa unterwegs.

Kai: Dein/Euer DJ-Stil; wie würdest du deine Musik beschreiben?

Yaniv: Mein Stil ist nicht straight, ich bleibe nicht die ganze Nacht auf einer einzigen Linie. Natürlich springe ich nicht von Track zu Track; es hat seinen Fluß. Ich konzentriere mich auf verschiedene Arten von Psychedelic Trance und bringe sie zusammen und nehme auch gern andere Dinge mit in mein Set auf; Percussion-Tracks und z.B. Tracks, die man vielleicht eher unter House lassen würde, die aber im psychedelischen Kontext wirklich Sinn machen.

Kai: Angesichts eines eigenen Labels und deiner Musikbesessenheit liegt es doch nahe, selbst Musik zu machen?

Yaniv: Ich habe mit meinem Freund A.J. im Moment ein musikalisches Projekt laufen. Wir haben einige Tracks gemacht, die wir bald auf Hadshot veröffentlichen werden. Es wird ein Crossover zwischen Psychedelic, Rock und anderen Sachen und "Eat Meaterr" heißen. (Anm.: Das ist ein Hadshot-typisches Wortspiel und dreht Meat Eater um; Yaniv ist Vegetarier).

Kai: Du bist ein Teil von Hovek Olam. Was ist das?

Yaniv: Hovek Olam ist ein Verbindung von Künstlern aller Art, von Dekoleuten, DJs, Live-Acts, Party-Organisatoren und Party-People, die wir zusammengebracht haben, um ein gemeinsames Konzept zu entwickeln, all diese Leute und Ideen zu präsentieren. Wir machen zum einen Compilations und zum anderen Parties, mit wilder Deko, mit Leuten, die auf Feuer laufen, die Effekte mit Puppen machen. Man kann uns für Parties buchen oder für wasauchimmer... Als wir gestartet sind, wußten wir nicht genau, was wir da eigentlich tun; wir wollten sehen, wieviel Power wir zusammenbringen. Es ist durch sich selbst gewachsen, und langsam verstehen wir, was wir alles machen können und entdecken uns ständig neu und weiter.

Kai: Yanivs Abschlußwort; das, was er schon immer sagen wollte?

Yaniv: Hmm, ja, ich hätte da eine Message für die Psychedelic World, oder was immer es auch ist (lacht). Es wäre viel besser, wenn all die großen Namen in diesem Bereich ein bißchen von ihrem großen Ego abgeben würden. Jeder sollte daran denken, daß es inzwischen wieder eine neue kreative Generation gibt und die Party-Organisatoren sollten Augen und Ohren für die wahnsinnig guten, jungen Nachwuchs-DJs offenhalten. Psychedelic Trance ist ein kleiner Style und ein sehr, sehr undergroundmäßiger, und es gibt keinen Grund für Niemanden, sich als der große Star zu fühlen und aufzuführen. Diese Szene ist nicht groß und sie braucht deswegen auch keine Stars.