|

nov 97
Interview: DJ AMANDA
new zealand
(taken from: mushroom magazine nov 97)
Text: Volker Brunswick & Moonchild
Warum gibt es in sämtlichen Technoszenen dieser Welt eigentlich so wenig Frauen an den Reglern? Ist unsere Bewegung dazu verdammt, zu einer Männerdomäne zu verkommen?
Amanda kommt zwar vom anderen Ende der Welt, nämlich Neuseeland, hat aber in Goa ihre Liebe zum Trance entdeckt, welche sie besonders seit der Oxigen Orgasm vom letzten Jahr besonders auslebt.
Eine Powerfrau geht ihren Weg...
Pilz: ...ein paar Worte zu dir, deinen Wurzeln, deiner Musik und wie du zur DJane wurdest.
Amanda: Ich bin auf einer Farm in Neuseeland aufgewachsen und lebte dort bis zu meinem 17ten Lebensjahr mit meinen Eltern. Dann, auf der Uni, bekam ich erste Kontakte zur Musikszene. Damals fuhr ich aber mehr auf Hardcore, Punk, Indie, Pop und Ska ab. Als ich mit 23 Jahren eher zufällig in Goa landete, faszinierte mich die Techno- und Trance-Szene dort so sehr, daß ich die nächsten Jahre eigentlich nur noch Party machte und zwischen Japan, Indien und Europa hin und her fuhr. 1992 meinte ein sehr guter japanischer Freund, ich sollte mich doch mal als DJ versuchen und so begann ich in Goa auf kleinen Garten-Partys zu mixen. Den Leuten gefiel wohl meine Art aufzulegen und ich merkte, daß es genau das war, was ich immer tun wollte. Es hat dann aber doch bis 1995 gedauert, bis ich die Chance bekam, auch mal vor einem größeren Publikum aufzutreten.Der Durchbruch in Deutschland kam dann durch mein Set auf der Oxygen Orgasm 1996. Diesen Sommer habe ich eigentlich ständig in Deutschland, Österreich, Schweden und in der Schweiz aufgelegt.
Pilz: Du bist ja auch eine der wenigen ernstzunehmenden weiblichen DJs. Wirkt sich das für dich positiv aus?
Amanda: Ja und nein. Ein weiblicher DJ macht viele Veranstalter erst mal neugierig. Es bedeutet aber auch, daß du verdammt gut sein mußt, denn nur mit dem Girlie-Bonus wird man wohl nicht sehr lange Erfolg haben. Sowieso finde ich, das es jede Menge Power-Frauen in der Szene gibt, denen vielleicht einfach nur ein kleines Fünkchen Selbstvertrauen fehlt, um den Schritt an die Regler zu wagen. Ich halte es für sehr wichtig, das mehr weibliche DJs mit dem richtigen Gefühl für Sound und einer intuitiven Trackauswahl hinters Pult kommen. Nur eine Frau kann diese bestimmte Form von Magie entwickeln. Um jetzt nicht falsch verstanden zu werden: Ich habe überhaupt kein Problem mit Männern und genieße es sehr, mit ihnen zu arbeiten.
Pilz: Obwohl du hauptsächlich auf Goa-Partys auflegst, würde ich deinen Stil nicht als typischen Goa-Sound bezeichnen. Was bedeutet Goa für dich, als Ort und als Musikrichtung?
Amanda: Goa wird immer einen ganz bestimmten Platz in meinem Herzen haben. Dieser Ort hat mein Leben von Grund auf geändert: mental, physikalisch und spirituell. Es gibt dort eine Energie, die so nur dort existiert. Als ich das erste mal hinkam, war das mein kleines Pardies. Es hat sich aber viel verändert in den letzten 5 Jahren. Es ist alles mega-kommerziell, touristisch, schmutzig und gefährlich geworden.Eigentlich war Goa ja sowas wie der weltweit einzigartige, musikalische Austauschpunkt für viele Djs und Musiker. Aber auch hier hat es sich in den letzten Jahren eher zum negativen verändert. Die Sounds sind unpsychedelisch, zu schnell und mit ähnlichen bis gleichen Elementen versehen; schon fast langweilig. Es gibt aber auch einige neue Sachen, die kein Goa-Trance sind und trotzdem grooven, trancig sind, funky und psychedelisch. Mit dieser Art von Sound ist es auch möglich, die Leute trippen zu lassen - viellecht ja sogar besser als mit Goa-Sounds. Ich meine, als DJ solltest du den Leuten immer neue Töne, Beats und Frequenzen anbieten. Wie auch immer, wir befinden uns bald im Jahr 2000, die Zukunft hat begonnen - also laßt sie uns auch Leben.
Pilz: Wo siehst du die Unterschiede zwischen der Aussie/Kiwi-Scene und der europäischen Scene?
Amanda: Der wesentliche Unterschied sind die Leute selbst. In Australien und Neuseeland sind die Leute einfach aufgeschlossener und müssen nicht immer gleich jeden Sound ãeinordnenÒ. Es hat wohl viel mit der ruhigeren Lebensart der weitläufigen und sauberen Natur und Umwelt sowie der Natürlichkeit der Menschen zu tun. In Neuseeland ist die Scene sehr klein, schon fast intim, wächst aber schnell. In Oz gibts halt schon länger Parties und so spezielle Orte und Events wie zum Beispiel Bayron Bay.
Pilz: Du legst meist DATs auf. Gibts einen bestimmten Grund dafür?
Amanda: Ich bin in der glücklichen Situation, viele Musiker persönlich zu kennen und so ist ein DAT die für mich die optimalste Lösung, diese vielen neuen Sounds zu kopieren. Außerdem ist es einfacher, mit ein paar DATs und 2 Recordern zu reisen als mit 3 Koffern voll Vinyl, die deinen Rücken kaputt machen:-) Als ich anfing, hab ich von Vinyl aufgelegt, entdeckte dann aber schnell die kleinen DAT-Dinger für mich. Um jetzt nicht mißverstanden zu werden, will ich mal sagen, daß ich sehr große Achtung vor Vinyl-DJs habe, die mit Beats umgehen können. Diesen DJs ist es möglich, ihr gesamtes Set als Geschichte aufzubauen und die Leute abheben zu lassen. Ich warte sehnsüchtigst auf pitchbare DAT-Recorder, die ich mir auch leisten kann. Im Augenblick denk ich aber darüber nach, mir einen CD-Brenner zu kaufen um von CDs aufzulegen.
Pilz: Was hast Du für Pläne?
Amanda: Ich werde jetzt noch bis Ende November in Deutschland sein, um dann nach Australien und NZ zurückzukehren und auf einigen Partys dort aufzulegen. Nächsten Sommer möchte ich auf jeden Fall wieder hier sein, mich ein bißchen mehr um meine Studio-Projekte zu kümmern und an meinen eigenen Sounds zu feilen. Es wird ja Anfang 98 eine Release von mir und Miranda geben, die auf Nephillim erscheinen wird. Durch die Arbeit mit Miranda habe ich die Faszination des Produzierens kennengelernt und möchte das mehr vertiefen.
|