nov 97

Interview: SPACE TRIBE
Olli Wisdom - The Wizard Of Oz

australia

(taken from: mushroom magazine nov 97)



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Text: Moonchild, Foto: Kai Mathesdorf, Mandalas: Space Tribe

Wie schwer es ist mit dem Soundschamanen und Weltbürger Olli Wisdom ein Interview zu führen zeigen die Absender der Frage und Antwort-Mails. Das erste kam noch aus Oz (Australien), das zweite bereits aus Thailand wo Olli drei Tage ausspannte und das letzte aus Tokyo wo er auf eine Matsuri-Halloween-Party eingeladen war. Sein aktuelles Album "The Ultraviolett Catastrophe" ist kürzlich bei Spirit Zone erschienen.

Pilz: Erzähl unseren Lesern doch erst mal ein bischen über den Menschen Olli Wisdom und wie und wann du zur Musik gekommen bist?

Olli: Musik beeinflußt eigentlich schon von Anfang an mein Leben. In der Schule versuchten mir die Lehrer Klassik in meinen Kopf zu hämmern, was damit endete daß ich aus dem Kurs flog als ich "Ziggy Stardust" (abgehobenes Bowie-Werk, Anm. d. Red.) anstelle von Debusy oder Bach mit zum Unterricht brachte. Soviel zu meiner musikalischen Grundausbildung (haha). Danach kaufte ich mir ein Drum-Kit und eine Gitarre und mein Leben war nicht mehr das was es vorher war. 1976 beeindruckten mich die legendären Sex Pistols und ich fing an, in verschiedenen Punk-Bands zu spielen. Das war einfach ein riesengroßer Spaß für mich. 1981 gründete ich dann die Gothic-Band "The Specimen" und startete einen Club in London mit dem namen "Batcave". Beides, der Club und die Band waren sehr erfolgreich. Wir hatten eine Hit-Single in UK und ein sehr erfolgreiches Album in den Staaten. Je größer unser Erfolg wurde, je mehr versuchte die Plattenfirma, unseren Stil und unsere Aktivitäten zu kontrollieren und erklärten uns zu "ihrem Produkt" .
Wir haben dem Label dann einfach gesagt "stick it up your fat bums" und erhielten keine Royalities mehr. Durch diesen Umstand habe ich viel über die Art und Weise, wie die großen Plattenfirmen den Markt, die Künstler und die Musik beeinflußen und die Welt mit ihren bewußtseinsbetäubenden Werken verdummen gelernt. Ich kehrte dem Musik-Business den Rücken zu und reiste um die Welt. 1988 fuhr ich nach Thailand und hatte, ich glaube es war in Koh Phangan, meine ersten Erfahrungen mit Acid-Partys. Ich erlebte wie die Leute total offen und miteinander verbunden waren. Hier entdeckte ich dann meine wahre Familie und mein Leben änderte sich völlig. Alles in einer Nacht! Plötzlich erkannte ich, daß ich mitten drin war in der Musik. Nur war es diesesmal ganz anders als zuvor. Ich erkannte, das die Partys und die Musik eine uralte menschliche Tradition darstellten, die viel mit den magischen Ritualen unserer Vorfahren zu tun hatten. Die gesamte Welt, mit Ausnahme von ein paar sehr isolierten Stämmen, hatte verlernt zu tanzen. Tanz sollte immer eine Performance und ein verbindendes Ritual sein. Um richtig zu tanzen, muß man seinen Geist "freilassen", um den Cosmos zu erleben, die Wahrheit zu erkennen oder einfach nur festzustellen, das man doch ganz anders ist, als man zu glauben scheint. Diese Musik ist mehr als einfach nur Musik. Sie ist ein schamanisches Werkzeug, ein Schlüssel, um festgefahrene Ideen und Gefühle zu öffnen. Wer eine ganze Nacht lang tanzt, wird fühlen, wie sich Körper und Geist erholen und reinigen. Von Thailand kam ich dann irgendwann nach Goa. An diesem Ort kann dir alles und zu jedem Zeitpunkt passieren. Hier erlebst du das volle Spektrum des Menschseins. Das Gute wie das Böse, das Schöne wie das Häßliche, die Beschränktheit wie die Erleuchtung, Magie, Verrücktheit, Selbstvernichtung, Polizisten und die beeindruckendsten Partys des gesamten Planeten. Zu der Zeit lebte ich mit Johan Bley in einem alten Schloß und jeder hatte ein Basis-Studioequipment, wo wir die Musik für die Partys produzierten. Einfach so zum Spaß.

Pilz: Puh, das wahr ausführlich. Was möchtest du denn heutzutage ausdrücken wenn du in deinen Stücken Vocals wie "there is no more reincarnation going on" (erste SZ-Release) oder "Live what you love, every moment..." (letzte SZ-Release) benutzt?

Olli: Die Menschen auf einer Party befinden sich in einem sehr "offenen" Zustand und ich habe die Möglichkeit, direkt mit ihren Seelen und Herzen zu kommunizieren. Jedes Vocal spricht da eigentlich für sich.Die Interpretation sollte Sache der Zuhörer sein.

Pilz: ...mit "there is coming something from the Children" machst du auf die Verantwortlichkeit gegenüber der nächsten Generation aufmerksam. Wie siehts den mit deiner Familienplanung aus?

Olli: Ich habe eine 18 Monate alte Tochter, Gzi Infinite Wisdom, die mir sehr viel gibt. Der Track "Ultrasonic Heartbeat" startet mit dem Herzschlag meiner Tochter einen Monat bevor sie geboren wurde.

Pilz: Wie erklärst du deinen weltweiten Erfolg? Dein Set auf der SpiritZone-Labelparty in London zum Beispiel hat die britischen Musikkritiker ja zutiefst beeindruckt. Ist es deine Musik, deine Person oder beides?

Olli: Erfolg bedeutet für mich in erster Linie, die Freiheit zu besitzen auf einem gewählten Weg zu gehen, zu tun, was man wirklich liebt. Wenn du so handelst, wird alles was du beginnst fast zwangsläufig zu einem Erfolg.

Pilz: Woher bekommst du die Ideen und Inspirationen für deine Stücke?

Olli: Ich mache eigentlich ständig Samples von allen Sounds und Geräuschen, die mich tagtäglich umgeben. Von den Vögeln, den Insekten im Regenwald, dem "Gebrabbel" meiner Tochter Gzi, Spielzeug und jedem Ding mit dem ich verrückte Sounds machen kann.

Pilz: Mit diesen Soundcollagen beeinflußt du ja eine ganze Menge Musiker weltweit. Wer oder was beeinflußt denn Olli Wisdom?

Olli: Auch hier sind es die ganz alltäglichen Dinge im Leben. Sonne, Mond und Sterne, der wundervolle Planet auf dem wir alle leben und alle Dingen, die uns mehr Freude und Vergnügen bringen. Musikalisch gesehen sind es Künstler wie: The Sex Pistols, Brian Eno, The Beatles, T.I.P., Bauhaus, Hallucinogen und viele mehr.

Pilz: Was bedeutet der Name Space Tribe?

Olli: (haha) Was immer ihr wollt. Für mich bedeutet Tribe einfach Familie und Space ist eigentlich überall. So gesehen sind wir alle der SpaceTribe.

Pilz: Dein Bruder hat ja das SpaceTribe-Clothing-Label. Gibt es Parallelen zwischen deiner Musik und den Fashion-Projecten deines Bruders?

Olli: Wir haben das von Anfang an zusammen gemacht und haben die verrückten Designs gemeinsam entworfen. Miki und Richmond haben einen Klamottenladen in Bali und ich habe das SpaceTribe H.Q. in Mullumbimby/Australien, wo wir die gesamte Palette der SpaceTribe-Goodies vertreiben. Unser gesamtes Angebot kann jetzt im World Wide Web unter spacetribe.com online angeschaut werden.

Pilz: Welche Philosophie steckt hinter dem Design?

Olli: Ganz einfach: SpaßSpaßSpaßSpaßSpaß........

Pilz: Wie kam es zu der Verbindung zwischen dir und Antaro (SpiritZone)?

Olli: Wir haben uns vor einigen Jahren in Goa kennengelernt und mochten uns sofort. Ich mag vor allem, was er mit seinem Label macht: Gute, qualitativ hochwertige Musik mit wundervoller Grafik. Es macht viel Spaß, mit ihm zu arbeiten.

Pilz: Erzähl mal was zu deinem Stil als DJ....

Olli: Eigentlich sehe ich mich weniger als DJ. Ich plane meine Sets nicht. Ich nehme mich total zurück und mache Platz für die Musik. Das passiert dann nach einem "höheren" Plan. Die Rolle des DJs ist für mich eher schamanisch zu betrachten. Wenn du es schaffst, dein Ego total auzuschalten, wird es den Leuten in der Regel den Kopf wegblasen. Ich mag es aus der Nacht heraus in den Morgen zu spielen. Es ist dann wie eine Reise aus dem Dunkel der Nacht in die Helligkeit des Tages.

Pilz: Welcher Live-Act gefällt dir derzeit am Besten?

Olli: Keiner! Live-Acts an sich sind ein Anachronismus, ein Rückfall in alte Rock&Roll-Tage, wo das Publikum von den Künstlern getrennt ist. Das gefällt mir nicht Für mich muß jeder auf der Party zum Künstler werden, damit es richtig Spaß macht. Live-Acts lassen wieder diese alte Trennung auferstehen.

Pilz: Zum Abschluß noch ein paar Worte an die europäischen Trance-Gemeinden....

Olli: Live what you love, every moment of your Life. RIGHTNOWRIGHTNOWRIGHTNOW.....

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