
sep 97
Interview: MORPHEM The northern style of trance
hamburg, germany
(taken from: mushroom magazine Sept 97)
Text: Moonchild
In einer sehr entspannten Atmosphere, kaum 500 Meter vom Hamburger Kiez entfernt, treffen wir Raphael und Thorsten im grünen Hinterhof von TunnelRecords. Zwischen Ziersträuchern und einem Goldfischteich plaudern wir über Labels, Trance und ihre neue Psycho-Family goes Ibiza-EP.
Pilz: Um euch ist es dieses Jahr ja eher ruhig geworden was Live-Auftritte angeht. Wieso?
R: Live-Act bedeutet für uns immer eine ganze Menge Arbeit und Zeit. Wir müssen dann immer unser ganzes Equipment aus dem Studio ausbauen und mitschleppen.
T: ...außerdem hatten wir dieses Jahr ziemlich viel mit Fremdproduktionen und diversen anderen Projekten zu tun gehabt.
Pilz: Ihr seid ja auch ganz gut mit X-Dream befreundet. Die machen ja seit einiger Zeit bei BlueRoom das große Ding. Wäre das nicht auch was für euch?
R: Nein, für uns wäre das nichts, ich stelle mir das ãgroße DingÒ irgendwie anders vor. Das definiert sich für mich nicht an Verkaufszahlen.
T: Irgendwie ist BlueRoom für mich kein echtes Psy-Trance Label. Die gibt es doch erst seit 2 Jahren, kommen aus dem Nichts daher und kaufen alles auf. Da würde ich mich nicht wohl fühlen, weil dort die Kommerzialität zu sehr im Vordergrund steht.
Pilz: Ist das denn bei eurem jetzigen Label TunnelRecords anders? Ein Vorwurf der Scene an dieses Label ist ja gerade die Kommerzialität mit, z.B. den Trance-Force-Samplern.
T: Tunnel Records featured schon seit Jahren norddeutsche Acts. Damals (1994) gab es einfach kein anderes Label welches den Mut hatte, den noch sehr neuen Psychedelic-Sound zu signen. Nach fast 2 1/2 Jahren bei Tunnel ist halt eine Sicherheit entstanden, die uns ermöglicht auch in sechs Monaten noch Scheiben zu machen. Wenn diese Kontinuität für manche Leute Kommerz bedeutet, ist das nicht mein Problem.
R: Solange unsere Musik so anerkannt wird, wie sie uns gefällt, fühle ich mich da sehr wohl. Wir wollen, das unsere Musik szeneübergreifend bekannt wird. Da sind wir bei Tunnel Records genau richtig.
Pilz: Wie definiert ihr eure Musik oder anders: welchen Anspruch habt ihr an sie?
R: Mit unser Musik wollen wir die Leute weg von den monotonen Beats des Technos hin zu einer emotionaleren, dynamischeren Musik führen.
T: Wir lassen uns von vielen Musikstilen inspirieren und versuchen, diese in unseren Tracks umzusetzen. Pilz: ...gib doch mal ein Beispiel:
R: Nehmen wir doch von unserer neusten Release das Stück ãHonky TonkÒ. Dort sind deutlich hörbar Einflüße aus den Bereichen Rock und Acid-House mit eingefloßen.
Pilz: Was gefällt bzw. mißfällt euch an der derzeitigen Goatrance-Scene
T: Gibt es eigentlich Ône Goa-Szene? Für mich bedeutet Szene einfach mehr miteinander und zusammenhalten; das sehe ich derzeit in Deutschland nicht. Wenn ich da zum Beispiel in die Hip-Hop-Scene schaue, dann sehe ich einen Zusammenhalt, von dem sich die Trancer eine dicke Scheibe abschneiden sollten.
R: Ich würde es begrüßen, wenn die Trennung der Szenen nicht mehr so krass wäre, wie es derzeit ist. Als wir angefangen haben, wurde so ziemlich alles gespielt, was verrückt und außergewöhnlich war. Egal ob da Goa, Techno oder House draufstand. Heute kaufen viele Djs doch nur nach Label ein. Die hören sich das Zeug oft nicht mal mehr an.
Pilz: ...und gefallen tut euch gar nichts?
T: Doch doch, die Energy, die in den Open-Airs steckt, ist schon sehr ertaunlich. Vor allem die abgefahrene Deko und der internationale Austausch unter den Musikern und Partyleuten.
R: Da gibt es viele Leute, die voll mit Herz und Seele dabei sind. Das gefällt mir.
Pilz: Obigatorische Abschlußfrage: Future-Projects?
R: Wir wollen in Zukunft mehr mit Sprache und Gesang arbeiten, akkustische Musikinstrumente wie Gitarre und Saxophon einbeziehen und dadurch unser musikalisches Spektrum erweitern.
T: Ich hätte auch sehr große Lust Filmmusik zu produzieren. Auf der PopKomm habe ich da ein paar sehr interesante Anregungen bekommen.
Pilz: Danke für das Interview und Alles Gute für eure zukünftigen
Projekte.
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