apr 10, 1999

Astral Projection

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...die Front Line Assembly des Goa-Trance

Interview by Thorsten Stroht
Photos by Phonocol, Israel

(taken from sonic seducer apr 1999)

Was fällt einem ein, wenn man die Wörter Bombenterror, Umsiedelung, Unruhen, Bürgerkrieg, Palästinenser, Juden, etc. hört? Woran denkt man bei den Worten Peace, Freude, Tanzen, Party? Doch wohl nicht an das gleiche? Bei Astral Projection ist es aber der Fall. Sie kommen aus Israel und machen Trance, also trifft beides auf sie zu.
Israel ist bestimmt nicht das beste Land, um ungestört Partys zu feiern oder Musik zu machen. Alle Jugendlichen müssen zum Militär, ständig muß man Angst haben, dass der Gemüsestand neben einem in die Luft fliegt, weil irgendein Wirrkopf meint, seine politischen Ziele mit Sprengstoff durchsetzen zu müssen. In dieser Atmosphäre aus Bedrohung und Terror keimte seit langem die zarte Frucht Goa. Goa-Trance ist in Israel sogar in den regulären Charts zu finden, obwohl die Regierung die Partys und die ganze Bewegung mit Repressalien und Verboten zusetzt. Es ist an der Tagesordnung, daß Partys von der Polizei oder dem Militär aufgelöst werden, ohne das ein Grund vorhanden ist, oder das Goa-Musiker aus dem Ausland, die in Israel spielen wollen, noch am Flughafen wieder nach hause geschickt werden. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist diese Bewegung in Israel nicht mehr aufzuhalten und Label und Bands sprießen wie Pilze aus dem Boden.
Eine Band wird immer als erste genannt, wenn es um die Begriffe Goa und Israel geht: Astral Projection. Sie sind Vorläufer und Wegbereiter für die Szene in Israel und genießen auch in der restlichen Welt einen hervorragenden Ruf als innovative Band in diesem Bereich. Ihr mittlerweile sechstes Album "Another World" erscheint gerade (Velvet Inc/Novatekk) und das ist Grund genug Lior Perlmutter und Avi Nissim per Telefon ein paar Weisheiten aus der Nase zu ziehen.

T.S.: Wie ist das Wetter in Israel?

A.P.: 30 Grad, keine Wolke...und bei euch? (im Hintergrund hört man, wie sich die beiden weglachen)

T.S.: Hier ist es verdammt kalt aber dafür müssen wir uns nicht mit Palästinensern herum ärgern.

A.P.: Aber die Kurden machen doch gerade Streß bei euch, oder?

T.S.: Ich fragte mich langsam ob das nun eine politische Diskussion werden soll oder ein Interview. Laßt uns doch am besten über das reden, was ihr am besten könnt: Musik machen.

A.P.: Woher willst du wissen, ob wir nicht andere Dinge noch besser machen können? (Beide fangen wieder an zu lachen)

T.S.: OK, sorry.

A.P.: Was willst du wissen?

T.S.: Erzählt mir was über "Another World" !

A.P.: Dieses Album ist bisher unser bestes und großartigstes. Das sagen bestimmt alle von ihren neuen Alben, aber wir sind sehr stolz auf das Ergebnis. Es läuft schön rund, ist ausgewogen und mit allerhand genialen Effekten ausgestattet.

T.S.: Wie lange habt ihr daran gesessen?

A.P.: Gut ein Jahr. Wir haben uns Zeit gelassen. Wir waren viel auf Tour und lange in Indien.

T.S.: Mögt ihr Indien?

A.P.: Natürlich. Es ist ein herrliches Land. Voller Gegensätze. Obwohl es in Goa im Augenblick schon fast zu viele "Trance-Touristen" gibt. Wir lassen uns aber trotzdem von den Menschen und von den "Vibes" inspirieren.

T.S.: Euer Album hört sich aber nicht gerade typisch indisch an. Ich denke immer eher an "voll auf die Fresse-Trance" mit genialen Sounds und "Arrangements" und....

A.P.: Gute Wortwahl. Für welches Magazin ist dieses Interview?

T.S.: Für den Sonic Seducer. Ist eher was für die Gothic/Electro-Szene, aber hier in Deutschland gibt es immer mehr Leute aus der Szene, die auf Goa abfahren und....

A.P.: Ach so. Wir lieben Skinny Puppy und Front Line Assembly. Wir haben diese Musik schon immer gemocht. Sie hat uns auch in gewisser Weise beeinflußt.

T.S.: Das hört man. Ich glaube, wenn Bill Leeb anfangen würde Drogen zu nehmen, würde seine Musik sich wohl auch so anhören. (beide lachen)

A.P.: Das ist keine Drogensache. Man kann unsere Musik in jedem Zustand hören. Wir können sie auch in jedem Zustand machen. (...und sie fangen wieder an zu lachen)

T.S.: Ihr seid ja lustig dabei. Macht euch die Situation in der ihr lebt, keine Angst?

A.P.: Man gewöhnt sich dran. Wenn du schon immer mit solchen Dingen leben mußtest, dann akzeptierst du es irgendwann. Wir beide können nichts daran ändern, wir können nur versuchen, den Menschen durch unsere Musik ein wenig Freude zu machen oder ihnen ein wenig Mut zu geben das hier durchzustehen.

T.S.: Ihr behandelt in euren Alben immer das Thema UFOs und Alien's. Würden Außerirdische eure Musik mögen?

A.P.: Ich hoffe doch, aber es kommt darauf an wie sie drauf sind. Wenn sie wie die Aliens aus Alien sind, dann können sie ruhig da bleiben, wo sie herkommen. Wenn sie aber so sind wie E.T., könnte ich mir vorstellen sie mitzunehmen auf eine Feier und ihnen mal etwas von unserer Partykultur mitzugeben.

T.S.: Habt ihr eine Message und was bringt die Zukunft für euch?

A.P.: Glaube an dich und an das Universum. Die Zukunft wird wie immer sehr stressig. Wir werden wieder Touren und einige Remixe machen. Dann wollen wir wieder nach Indien, Energie tanken.

Dann können wir nur hoffen das sie auch mal kurz in Deutschland vorbei schauen, denn Live sind sie noch besser als Underworld. Möge die Macht mit Ihnen sein!!!

Thorsten Stroht