mai 5

Lava Lounge
Im Chill Cafe

Text: Mat Mushroom
Fotos: Synchronicity

Taken from mushroom magazine 6/98

 

Das Frankfurter Label Synchronicity startete kürzlich das neue Sublabel "Electricsky", und zwar gleich mit einem Album. Das Projekt Lava Lounge widmet sich den Sequenzen fernab hektischer Bassläufe. Am liebsten sehen sie Ihre Zuhörer gemütlich locker in der Lava Lounge sitzen, aufmerksam für die feineren Nuancen des Lebens und der Musik.

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Pilz: Ihr Drei bringt verschiedenste Einflüsse mit in das Projekt. Erzählt doch mal über Eure Roots.

Marcus: Ich habe früher sehr gerne Future Sound Of London und viele Sachen auf Fax-Records gehört, von denen auch heute noch die Mehrzahl zu meiner All-Time Top Ten gehören. Richtig angefangen habe ich aber eigentlich mit RUN DMC und ähnlichem Zeug, sogar Iron Maiden war mal mit dabei.

Michael: Bei mir kommen auch verschiedene Musikrichtungen zusammen wie Black Music, Ambient und Breakbeats, ich kann mich da aber unmöglich festlegen; aber Alben wie "Lifeforms" von FSOL und "This Film´s Crap, Let´s Slash The Seats" von David Holmes haben auf jeden Fall zu meiner musikalischen Entwicklung beigetragen.

Afshin: In meiner Plattensammlung tummeln sich auch die verschiedensten Richtungen, von Arrested Development bis Massive Attack, aber auch gitarrenmäßige Sachen wie Tool oder Radiohead. Ich könnte meine Roots nie an einer Richtung festmachen. Was elektronische Musik anbelangt, haben mich wohl am meisten Acts wie FSOL, Autechre, Orbital und Aphex Twin inspiriert.

Pilz: Ihr wollt mit eurem Projekt durch Bars und Clubs ziehen. Wie spielt ihr live? Läuft das eher so sessionmäßig ab, habt ihr vorbereitete Loops oder ist das Liveset schon vorher im Sequenzer?

Michael: Im Prinzip ist es eher sessionmäßig, denn es ist schon wichtig, daß wir beim Gig freie Hand haben und auf die Stimmung eingehen können. Der MPC bildet die Basis und jeder von uns hat die Möglichkeit, seine spontanen Ideen an den Synths auszuleben.

Marcus: Das Liveset unterscheidet sich auf jeden Fall von den veröffentlichten Tracks, wir spielen sie nicht 1:1, denn das wäre uns zu langweilig. Sonst könnten wir ja gleich ein DAT laufen lassen.

Afshin: Das wichtigste ist, daß die Leute sich in chilliger Athmosphäre während unseres Liveacts locker machen können. Wir selbst möchten dabei nicht im Vordergrund stehen, sondern den Leuten einfach nur eine passende akkustische und optische Kulisse bieten.

Pilz: Ihr seid der erste Act des neuen Synchronicity-Sublabels "Electricsky". Was ist das Konzept dieses Labels?

Afshin: Mit "Electricsky" wollen Norman und Mark von Synchronicity eher unkommerzielle Wege der elektronischen Musik beschreiten.

Marcus: Wir findens außerdem cool, daß es ein neues gutes Label im Electronic-Listening Bereich gibt, da in Deutschland Techno und House doch noch populärer sind als beispielsweise in England.

Pilz: Wie würdet ihr euer Musik selber bezeichnen?

Michael: Als Synthese verschiedener Gefühle und Ideen jedes einzelnen von uns. Dadurch rutschen wir auch nicht so einfach in irgendeine Sparte, sondern behalten unsere Individualität.

Afshin: Jeder von uns bringt andere Stimmungen in die Tracks mit ein und dem zu Gute kommt natürlich, daß wir uns so gut kennen, daß jeder dem anderen die Möglichkeit geben kann, sich frei zu entfalten. Wir möchten uns auf keinen Fall auf einen bestimmten Stil festlegen; erlaubt ist, was uns selber gefällt.

Pilz: Marcus, Du hast auf Harthouse das Projekt "Hacienda" gemacht. Wie geht es jetzt eigentlich mit diesem Projekt und dem Harthouse-Label an sich weiter?

Marcus: Jürgen und ich releasen Anfang Juni unser neues Album "Narrowed Eyes" auf dem Label Infracom aus Frakfurt. Da Harthouse bankrott ging, mußten wir uns neu orientieren, was aber nicht besonders schlimm war., da die meisten Leute den Namen Harthouse und die Musik von Hacienda nicht oder nur sehr schwer zusammenbringen konnten. Ansonsten möchte ich nichts mehr hinzufügen..

Pilz: Was kann man von euch in Zukunft noch alles erwarten? Andere Projekte?

Afshin: Ich arbeite im Moment mit der Michaela am Laconic-Album. Das das Projekt mit Gesang ist, ist die Arbeit ein bißchen aufwendiger und langwieriger. Lava Lounge-mäßig gibt´s erstmal neue Tracks und Remixe auf Vinyl und dann fangen wir auch schon an, das nächste Album zu produzieren.

Michael: Ich bin dabei, mein Solo-Album "Work Of Fiction" aufzunehmen. Die Richtung ist sehr elektronisch, beatbetont und wird von einer düsteren Stimmung beherrscht. Wo, wie und wann es erscheint ist aber noch ungewiß.

Marcus: Ja, was gibt´s noch? Neues Hacienda Album, außerdem noch ein Solo-Projekt mit alten spanischen und südamerikanischen Samples. So Ambient-Dub-mäßig, aber auch trippig angehaucht.

Pilz: Ist Lava Lounge die logische Entwicklung nach den anderen Projekten, d.h. kommt man als Produzent nach jahrelanger Arbeit zwangsläufig in solch fortgeschrittene Bahnen.

Afshin: Lava Lounge ist eigentlich eher die logische Entwicklung aus unserer langjährigen Freundschaft. Wir haben auch unabhängig von der Musik immer viel miteinander abgehangen und die Idee zu diesem Projekt war eigentlich schon immer vorhanden. Ausschlaggebend war jedoch, daß wir mit Synchronicity ein Label gefunden haben, das sich nicht für irgendwelche Trends interessiert, sondern uns motiviert, zusammen ein Album zu produzieren.

Pilz: Was assoziiert ihr mit dem Namen Lava Lounge?

Michael: Hitze, stetige Bewegung, Ausdauer, Unaufhaltsamkeit und Natur auf der einen Seite; Gemütlichkeit, Zurücklehnen, Entspannung und Athmosphäre auf der anderen. Wir versuchen, beide Seiten in unsere Musik einfließen zu lassen.

Afshin: Unsere Musik wirkt denke ich intensiver, wenn man sie in relaxter Athmosphäre hört als jetzt zum Beispiel auf dem Walkman in der U-Bahn. Die Lava Lounge ist quasi der Ort, an dem man unsere Musik hören sollte.

Pilz: Haben wir noch etwas vergessen?

Marcus: Ja, wir möchten auf jeden Fall den Jungs von Synchronicity ein fettes Lob für ihre Arbeit aussprechen.

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