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BIOT
Bochumer Sound Orgasmen für den Rest der Welt

Text: Kai Mathesdorf & Mat Mushroom
Fotos: Shakaree

Taken from mushroom magazine 6/98

 

Nach diversen klasse Releases auf dem Bochumer BTM-Label ist nun endlich das Debut-Album "Saturation" des an den Rollstuhl gefesselten BIOT aka Achim Schlafke erschienen. Es vereinigt Elektrosounds und psychedelische Sphären mit wunderschönen Melodien und schafft dadurch Ohrwürmer, die sich nicht am vorgegebenen Standard orientieren. Trotz seiner pushenden Qualitäten ist das BIOT-Album genauso gut beim Chillen oder Arbeiten zu genießen. Hoffen wir, das Achim niemals satt nach neuem Sound ist, wie man es vielleicht fälschlicherweise vom Albumtitel vermuten könnte.

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Pilz: Dein Track 'Radiation' war 1996 die erste 12" der Bochumer Ton Manufaktur. Das Stück steckt noch heute aus gutem Grund in vielen Plattenkoffern. Dein Album steht damit auch für ein ganzes Stück Trancegeschichte im Ruhrgebiet. Erzähl' mal was zu deiner Geschichte, zur Szene bei Euch und wie du die Entwicklung siehst.

Biot: Angefangen hat das Ganze für mich direkt mit der Wahrnehmung der ersten Acidhouse-welle, die Anfang der 90er aus England rüberkam. Dann fingen ziemlich schnell auch hierzulande Leute an, Dance-Parties zu veranstalten und auch Musik zu produzieren. Es wurde einem ziemlich schnell klar, daß da etwas im entstehen war, das ein riesiges Potential innehatte. Weil ich einige Leute kannte, die sich schon längere Zeit mit elektronischer Musik beschäftigten und selbst einige Geräte besaßen, fing ich an, mich mehr mit der technischen Seite der ganzen Sache zu befassen. Ich habe dann mit verschiedenen Leuten Musik gemacht, was aber immer eher Sessions waren. Man hatte da kaum mal fertige Stücke.... Irgendwann haben hier dann ein paar Leute den "Prokult" gegründet, um eine Art Forum zu bilden für alle hier aus der Gegend, die sich für diese Trance-Sache interessierten und um auch selber Parties zu organisieren. Im Zuge dieser Entwicklung kam auch die Idee auf, mit der ganzen Musik, die bis dahin entstanden war, eine Compilation rauszubringen und so ist dann das Label BTM entstanden.

Pilz: Was ist dein Beweggrund, dich mit Trance zu beschäftigen? Hast du das lodernde Trancefeuer in dir oder ist es mehr der kollektive Beat?

Biot: Einer der Gründe ist sicherlich der Eindruck, den die ersten durchgefeierten Nächte hinterlassen haben; andererseits ist Trance - im Gegensatz z.b. zum House, der ja in erster Linie Sample-basierte DJ-Musik ist - meiner Art des Produzierens näher.

Pilz: Du arbeitest allein und läßt dir offensichtlich viel Zeit dabei. Hast du eine generelle Arbeitstechnik?

Biot: Eine generelle Arbeitstechnik gibt es bei mir eigentlich nicht; der Ausgangspunkt der Stücke ist immer ein anderer; allerdings hat sich mit der Zeit schon eine bestimmte Vorgehensweise, z.B. im Hinblick auf die Arrangements entwickelt. Ansonsten kommt es vor, daß ich Stücke eine Zeit lang ruhen lasse, wenn mir momentan nichts mehr einfällt und dann später daran weiterarbeite.

Pilz: Wovon läßt du dich inspirieren oder beeinflußen?

Biot: Die grösste Inspiration sind für mich die immer weiterreichenden technischen Möglickeiten der Klangformung. Da gibt es noch eine Menge zu entdecken, wobei man immer im Auge behalten sollte, daß diese Musik in erster Linie Funktionsmusik, nämlich Dance-Musik ist. Ich habe in letzter Zeit nicht besonders viel Trance gehört, habe aber den Eindruck, daß einige Produzenten versuchen, die Sache ernsthaft weiterzuentwickeln. Das finde ich sehr begrüßenswert, denn andererseits ist auch eine Menge Weichspülermusik auf dem Markt, die der ganzen Szene wohl nicht ganz zu Unrecht einen erwas reaktionären Ruf eingebracht hat.

Pilz: Der 'Solstream'-Remix von D.I.M.O. auf der neuen Maxi geht eine ganze Ecke weiter als dein Original. Wenn man so lange an einem Track gebaut und darüber nachgedacht hat, kommt jemand daher und macht etwas ganz anderes daraus. Ist das für dich auch ein bißchen verletzend oder siehst du nur den Gewinn? Wie stehst du zu Remixen und speziell zu diesem?

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Biot: Ich finde Remixe allgemein spannend, solange die jeweiligen Produzenten versuchen, der Sache wirklich ein paar neue Seiten abzugewinnen. Das haben in diesem Fall beide Remixer eindeutig geschafft und insofern bin ich sehr zufrieden mit der Platte.

Pilz: Ich muß zugeben, daß ich angesichts des neuen Albums einen Live-Gig in Klosterrode erwartet hätte. Dem ist nicht so. Keine Lust alles zu entkabeln oder hast Du das wegen deiner Behinderung gecancelt?

Biot: Über einen Live-Act habe ich lange nachgedacht, bin aber letzten Endes auch aufgrund der Erfahrung, die ich auf dem Live-Act in Oberhausen letztes Jahr gemacht habe, zu dem Ergebnis gekommen, daß meine Arbeitsweise einfach nicht Live-tauglich ist. Das Verhältnis des getriebenen Aufwandes zu dem, was für die Leute dabei rumkommt, stimmt einfach nicht und für einen Live-Act mit einem Keyboard auf der Bühne und Musik vom DAT bin ich nicht zu haben. Ich bin aber gerade dabei, ein Live-Konzept mit mehreren Leuten zu entwickeln weil das auch von den Möglichkeiten mehr Sinn macht. Meine Behinderung spielt bei der ganzen Sache nur insofern eine Rolle, daß mir die Fahrt nach Klosterrode einfach zu lang ist.

Pilz: Was kommt als nächstes? Welche Träume und Visionen hast du noch auf Lager?

Biot: Für mich allein ist das Thema Trance jetzt erst mal ein bißchen ausgereizt, aber ich habe momentan ein paar andere Projekte und irgendwann packt mich auch bestimmt wieder die Lust auf eine gute Bassline... Ich kann mir gut vorstellen, demnächst verstärkt Projekte mit anderen zu machen, denn da kriegt man immer Impulse,die einen selbst weiterbringen und verfällt nicht der Gefahr, sich irgendwann nur noch selbst zu kopieren