
mai 5
BIOT
Bochumer Sound Orgasmen für den Rest der Welt
Text: Kai Mathesdorf
& Mat Mushroom
Fotos: Shakaree
Taken from mushroom magazine 6/98
Nach diversen klasse Releases auf dem
Bochumer BTM-Label ist nun endlich das Debut-Album "Saturation"
des an den Rollstuhl gefesselten BIOT aka Achim Schlafke erschienen. Es vereinigt
Elektrosounds und psychedelische Sphären mit wunderschönen Melodien
und schafft dadurch Ohrwürmer, die sich nicht am vorgegebenen Standard
orientieren. Trotz seiner pushenden Qualitäten ist das BIOT-Album genauso
gut beim Chillen oder Arbeiten zu genießen. Hoffen wir, das Achim niemals
satt nach neuem Sound ist, wie man es vielleicht fälschlicherweise vom
Albumtitel vermuten könnte.

Pilz: Dein Track 'Radiation'
war 1996 die erste 12" der Bochumer Ton Manufaktur. Das Stück steckt
noch heute aus gutem Grund in vielen Plattenkoffern. Dein Album steht
damit auch für ein ganzes Stück Trancegeschichte im Ruhrgebiet.
Erzähl' mal was zu deiner Geschichte, zur Szene bei Euch und wie
du die Entwicklung siehst.

Biot: Angefangen hat
das Ganze für mich direkt mit der Wahrnehmung der ersten Acidhouse-welle,
die Anfang der 90er aus England rüberkam. Dann fingen ziemlich
schnell auch hierzulande Leute an, Dance-Parties zu veranstalten und
auch Musik zu produzieren. Es wurde einem ziemlich schnell klar, daß
da etwas im entstehen war, das ein riesiges Potential innehatte. Weil
ich einige Leute kannte, die sich schon längere Zeit mit elektronischer
Musik beschäftigten und selbst einige
Geräte besaßen, fing ich an, mich mehr
mit der technischen Seite der ganzen Sache zu befassen. Ich habe dann
mit verschiedenen Leuten Musik gemacht, was aber immer eher Sessions
waren. Man hatte da kaum mal fertige Stücke.... Irgendwann haben
hier dann ein paar Leute den "Prokult"
gegründet, um eine Art Forum zu bilden für alle hier aus der
Gegend, die sich für diese Trance-Sache interessierten und um auch
selber Parties zu organisieren. Im Zuge dieser Entwicklung kam auch
die Idee auf, mit der ganzen Musik, die bis dahin entstanden war, eine
Compilation rauszubringen und so ist dann das Label BTM entstanden.
Pilz: Was ist dein Beweggrund,
dich mit Trance zu beschäftigen? Hast du das lodernde Trancefeuer
in dir oder ist es mehr der kollektive Beat?
Biot: Einer der Gründe
ist sicherlich der Eindruck, den die ersten durchgefeierten Nächte
hinterlassen haben; andererseits ist Trance - im Gegensatz z.b. zum
House, der ja in erster Linie Sample-basierte DJ-Musik ist - meiner
Art des Produzierens näher.
Pilz: Du arbeitest allein
und läßt dir offensichtlich viel Zeit dabei. Hast du eine
generelle Arbeitstechnik?
Biot: Eine generelle
Arbeitstechnik gibt es bei mir eigentlich nicht; der Ausgangspunkt der
Stücke ist immer ein anderer; allerdings hat sich mit der Zeit
schon eine bestimmte Vorgehensweise, z.B. im Hinblick auf die Arrangements
entwickelt. Ansonsten kommt es vor, daß ich Stücke eine Zeit
lang ruhen lasse, wenn mir momentan nichts mehr einfällt und dann
später daran weiterarbeite.
Pilz: Wovon läßt
du dich inspirieren oder beeinflußen?

Biot: Die grösste
Inspiration sind für mich die immer weiterreichenden technischen
Möglickeiten der Klangformung. Da gibt es noch eine Menge zu entdecken,
wobei man immer im Auge behalten sollte, daß diese Musik in erster
Linie Funktionsmusik, nämlich Dance-Musik ist. Ich habe in letzter
Zeit nicht besonders viel Trance gehört, habe aber den Eindruck,
daß einige Produzenten versuchen, die Sache ernsthaft weiterzuentwickeln.
Das finde ich sehr begrüßenswert, denn andererseits ist auch
eine Menge Weichspülermusik auf dem Markt, die der ganzen Szene
wohl nicht ganz zu Unrecht einen erwas reaktionären Ruf eingebracht
hat.
Pilz: Der 'Solstream'-Remix
von D.I.M.O. auf der neuen Maxi geht eine ganze Ecke weiter als dein Original.
Wenn man so lange an einem Track gebaut und darüber nachgedacht hat,
kommt jemand daher und macht etwas ganz anderes daraus. Ist das für
dich auch ein bißchen verletzend oder siehst du nur den Gewinn? Wie
stehst du zu Remixen und speziell zu diesem?

Biot: Ich finde Remixe
allgemein spannend, solange die jeweiligen Produzenten
versuchen, der Sache wirklich ein paar neue Seiten abzugewinnen. Das
haben in diesem Fall beide Remixer eindeutig geschafft und insofern
bin ich sehr zufrieden mit der Platte.
Pilz: Ich muß zugeben,
daß ich angesichts des neuen Albums einen Live-Gig in Klosterrode
erwartet hätte. Dem ist nicht so. Keine Lust alles zu entkabeln
oder hast Du das wegen deiner Behinderung gecancelt?
Biot: Über einen
Live-Act habe ich lange nachgedacht, bin aber letzten Endes auch aufgrund
der Erfahrung, die ich auf dem Live-Act in Oberhausen letztes Jahr gemacht
habe, zu dem Ergebnis gekommen, daß meine Arbeitsweise einfach
nicht Live-tauglich ist. Das Verhältnis des getriebenen Aufwandes
zu dem, was für die Leute dabei rumkommt, stimmt einfach nicht
und für einen Live-Act mit einem Keyboard auf der Bühne und
Musik vom DAT bin ich nicht zu haben. Ich bin aber gerade dabei, ein
Live-Konzept mit mehreren Leuten zu entwickeln weil das auch von den
Möglichkeiten mehr Sinn macht. Meine Behinderung spielt bei der
ganzen Sache nur insofern eine Rolle, daß mir die Fahrt nach Klosterrode
einfach zu lang ist.
Pilz: Was kommt als nächstes?
Welche Träume und Visionen hast du noch auf Lager?

Biot: Für mich allein
ist das Thema Trance jetzt erst mal ein bißchen ausgereizt, aber
ich habe momentan ein paar andere Projekte und irgendwann packt mich
auch bestimmt wieder die Lust auf eine gute Bassline... Ich kann mir
gut vorstellen, demnächst verstärkt Projekte mit anderen zu
machen, denn da kriegt man immer Impulse,die einen selbst weiterbringen
und verfällt nicht der Gefahr, sich irgendwann nur noch selbst
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