jan 09, 2000

Sternenzeit 15.5440

Schneller als der Strom

Text by Soltek

(taken from mushroom magazine #57 jul 99)

Viele fühlten sich berufen und alle wurden auserwählt. Die Anforderungen an die Aktivaten waren übermenschlich und unverständlicher Weise wurde die Zahl der Trainingslager halbiert. Das Spiel sollte nicht zu einfach werden und der Liebesfaktor wurde bei Nacht und Nebel in den Sphären des grauen Vergessens versteckt. Befremdlichkeit wohin das Auge blickt, nichts wie es scheint, alles ist anders als es war und der Ausgang ist ungewiß. Intelligenz waltet - Intuition schaltet und ähnliche neurotische Erfolgsmantren schallten durch sein inneres Ohr. Sein konzentrierter Atem hatte die Fluggeschwindigkeit bereits beträchtlich erhöht und kopfüber tauchte er in das Kristallgitternetz ein. Durch seine libidöse Unschärferelation schoß er durch Nina's Traum, aber da sie seine Anwesenheit nicht weiter beachtete, wendete er sich den weniger wichtigen Dingen zu. Die Frage nach dem Schöpfer der Kristallnetze war nicht zu beantworten, aber die Faszination ihrer Funktion erschien höchst mysteriös. Jedes Wesen trägt ein scheinendes Gewebe kristallhafter Strukturen in den Herzen jeder einzelnen Zelle und ist über eine kollektive ätherische Dynamik mit allen anderen Existenzen herzlich verbunden. Berührt ein Funke das System, durchströmt er ordnend alle verbundenen Netze, während der Tanz den Energiefluß zwischen den Kristallen potentiert. Schneller als Strom fließt, holographieren die Kristalle alle jemals übermittelten Botschaften in individuell sortierten Newsgroups in die angeschlossenen Tranconauten und entwickeln ein lebendiges Durcheinander, mit einer unermeßlichen emotionalen Kapazität. Hoffnungsloses Wissen, verwandelt sich in die Frage nach dem Sinn, in die Antwort des Rätsels Lösung. Sein Geist war verwirrt, aber wer war nicht gewarnt - wer sah nicht das Menetekel an den Wänden auf den Kornfeldern - die Worte der zahllosen Propheten lenkten sie von der Zuverlässigkeit der eigenen inneren Stimme ab und verwirrten die Kinder der Liebe in ihrem Bestreben, der Welt das Gute und Schöne zu schenken. Wieso warum weshalb hatten sie so einfach die Verirrungen der Vorzeit vergessen; bereits vor Äonen ging ein lebendiger Zusammenhang zugrunde, als sie aus Gründen vermeintlicher Effektivitätsoptimierung die Tiere mit den Götterkindern vereinten. Sogar der Weltensegler unterbrach seine Reise, um einen Zusammenhang zum besten zu geben; aber die Lethargie war unerschütterlich. Lediglich 52 Friedenskrieger folgten dem Ruf des Meisters und bezeugten ihre Kompromißlose Integrität; ja - viele der Erwählten schwänzten sogar das donnerstägliche Training in der Atishagalaxie - und die zehn korrekten Tempeltänzerinnen überlegten sich ganz stark beim nächsten Mal nicht mehr zu kommen, was in Anbetracht der ohnehin spärlichen Gelegenheiten, echte Wesen kennenzulernen, echt schade wäre. Sorgfältig mit Meinungen versehen ließen sie den Raum des Sinnierens hinter sich, sie wünschten sich in die Zonen der Lust zurück, aber der Frühling war vorbei und unaufhaltsam näherten sie sich dem Übergangsbereich der Endzone.
Ob das Ende wirklich naht - oder sich in eigentlich zu erwartender Weise völlig unüberraschend in einen überlebenwichtigen Neubeginnspunkt verwandelt, erfahrt ihr mit Sicherheit in den folgenden Transvisionen.

Einen heftigen guten Morgen!

Soltek