may 1999
P.L.U.R. magazine
Text: Mat Mushroom
Übersetzung: Alpha
taken from mushroom magazine #45 june 98
P.L.U.R. ist die Abkürzung des Grußes "Peace, Love, Unity, Respect", den man nicht nur haufenweise in shantigen E-Mails des Internet oder Briefen findet, sondern der nun auch als Titel eines globalen Trancemags herhalten mußte. Nur heißt "P.L.U.R." hier in der Abwandlung "Peace, Love, Unity & Rave", wobei das Wörtchen Rave ja im Ausland nicht den prolligen Beigeschmack der germanischen Version inne hat. Interessant ist, daß das Magazin aus Taiwan kommt, einem Land, welches doch auf der Trancekarte oftmals noch als weißer Fleck eingezeichnet ist. Wir wollten mehr wissen und tauschten mit der Redakteuren Teresa E-Mails aus...
Pilz: Bitte erzähle uns was über die Szene in Taiwan. Wie populär ist Trance bei Euch?
Teresa: Trance ist immer noch extremer Undergorund auf Taiwan. Pop Musik dominiert dort 90% des Marktes (chinesisch, kantonesisch, japanisch und westlich) und die meisten Trendclubs spielen nur House und Techno. In Taiwans Hauptstadt Taipeh gibt es einen Club namens "Club Edge", der unser Tempel für Trance ist. Dies ist der einzige Club, der regelmäßig Trance spielt und dort waren Künstler wie Astral Projection, Miranda, Dimension 5, Dogma und DJ´s von überall her. Vor zwei Wochen war dort der wunderbare DJ Acan aus Wien, der den Dancefloor vom Edge durcheinanderwirbelte...
Pilz: Wie lange gibt es schon eine Tranceszene in Taiwan?
Teresa: Die Szene begann vor einem Jahr zu wachsen, nun sieht´s aus, als würde sie sich wieder abkühlen. Seitdem es runtergeht, existiert Trance nur in verräucherten Clubnächten innerhalb eines kleinen Kreises. Das ist sehr schade, da ich denke, daß die Essenz dieser Musik darin besteht, stark mit der Natur auf Outdoor-Parties verbunden zu sein. Unglücklicherweise sorgt diese Stadt für keine nette Umgebung, damit sich Trance entwickeln kann. Und die Leute brauchen hier mehr Zeit, um Trance zu akzeptieren. Es ist immer noch zu neu und zu kräftig für die Hirne und Ohren, da die Menschen hier sechs Tage die Woche von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr arbeiten, und das in einer übervölkerten Stadt, mit Baustellen und Luftverschmutzung. Daher sind sie nach der Arbeit eher in der Stimmung sich Karaoke reinzuziehen, als X-Dream-Tracks zu hören.
Pilz: Ihr seid ja nun sozusagen die Pioniere in einer Trancediaspora. Kann man eine überhaupt eine Szene dort erschaffen, wo keine ist?
Teresa: Trance zu promoten, ist nicht nur schwer, weil man den Leuten ganz neue Musik näherbringt, sondern auch viele neue Erfahrungen, die sich sehr von dem unterscheiden, was sie bisher gelernt haben. Sie müssen wirklich ihre Herzen hierfür öffnen.
Pilz: Wie ist die politische Situation in Taiwan? Ist Taiwan gleich China ?
Teresa: Scheinbar scheint jeder diese Fragen zu stellen. Nein, Taiwan ist nicht gleich China. Taiwan ist seit 40 Jahren eine unabhängige Provinz von China, seit der Besetzung Chinas durch die Kommunisten damals. Taiwan ist ein demokratisches Land, es liegt auf einer subtropischen Insel südöstlich von China.
Pilz: Wie sieht es mit Underground-Parties aus ? Werden sie von der Polizei geduldet?
Teresa: Es gab reichlich viel Unterbrechungen in den Dance-Clubs durch die örtliche Polizei - aus irgendwelchen Gründen. Sie kamen und stoppten die Parties für ein bis zwei Stunden, durchsuchten die Leute und nahmen ihre Personalien auf. Das hält natürlich viele Leute vom Kommen ab, da es die Atmosphäre total versaut. Mag sein, daß die Polizei keine Ahnung von Trance hat, aber sie wissen, daß sich dort viele Menschen treffen (genannt "shaking heads", der E-Effekt...), die auf E sind und da sind sie hinterher. Die Parties enden zwischen 5-8 Uhr morgens und das ist ok., da die Club-Besitzer sich vor der Polizei hüten müssen.
Pilz: Warum habt Ihr ein Magazin in Taiwan gegründet ? Gibt es eine Chance, es zu finanzieren und ist die Szene groß genug dafür?
Teresa: PLUR startete aus dem reinen Zweck heraus, Trance zu promoten. Es war ein Teil von Blue Moon Music Production und Blue Moon unterstützte das Magazin finanziell. David Chen, der Besitzer von Blue Moon, dachte, es müßte ein Magazin geben, das die Informationen zu den Leuten bringt. Ich glaube, das ganze Konzept war perfekt, aber es mangelte an ausreichend Vertriebskontakten. Es hatte letztendlich eine große Frustration zur Folge, die wir nicht lösen konnten. Es wurde zwar in den größeren Buchhandlungen Taipeh´s gut verkauft, aber es reichte einfach nicht. Die örtliche Szene ist zu klein. Meiner Meinung nach muß das Magazin direkt zu den Leuten geschickt werden, die in Trance involviert bzw. interessiert sind; dahin, wo die Szene ist. Anderenfalls ist es sinnlos. Wir brauchen einfach jemanden, der in solchen Dingen Erfahrung hat. Es ist finanziell immer schwierig,ein neues, spezielles Underground-Magazin herauszubringen. Allein der Druck kostet 12.000 NT (3.600 Dollar) pro Ausgabe. Du kannst dir vorstellen, wie schwer die Bürde ist, wenn du die anderen Kosten noch hinzuziehst.
Pilz: Mußte Euer Magazin jetzt nur wegen der finanziellen Engpässe sein Erscheinen einstellen?
Teresa: Blue Moon hatte sich dazu entschieden, seine Basis nach Thailand zu verlegen und stoppte die finanzielle Unterstützung für PLUR. All das passierte sehr plötzlich und natürlich waren wir sehr geschockt und frustriert. Wir lieben das Magazin und was wir dafür tun. Aber ich glaube und hoffe, wir können in einem anderen Medium weitermachen oder einem neuen Format, das uns neue Möglichkeiten gibt. Der Ex-Herausgeber Mombaza unterrichtet weiterhin an einem örtlichen College und arbeitet auch an seinen Musikprojekten weiter. Ich habe soeben einen neuen Fotografen/Designer-Job angefangen und es gibt eine große Möglichkeit,. ein anderes Trancemagazin im Juni/Juli zu beginnen. Es wird less-budget sein, aber den gleichen Stil und Spirit von PLUR weitertragen. Wir halten euch auf dem Laufenden, sobald das Projekt klar ist.
Pilz: Teresa, erzähl doch mal ein bischen über Dich und Deinen persönlichen Bezug zu Trance.
Teresa: Bis vor einem Jahr habe ich nichts von Trance gewußt. Als ich das erste Mal für PLUR als Editor/Fotograph gearbeitet hatte, kam ich gerade vom College aus den USA. Ich lernte, dem magischen Sound zu zuhören und ihn zu lieben. Wenn ich nun zurückschaue, war dies so ein verrücktes, arbeitsreiches, aber voller Gedankenprozesse volles Jahr. Wir hatten zahllose imponierende Parties, wir haben so viele freundliche und offenherzige Menschen mit kreativen Gedanken der Trance Szene aus der ganzen Welt getroffen. Viele Nächt bis spät in die Nacht arbeiten, damit die Zeitung rechtzeitig fertig wird...
Pilz: Thema Blue Moon Records: Der Act "Dogma" kommt aus Kroatien, Moonchild aus China. Dazwischen ist eine große Entfernung... Welches sind die nächsten Veröffentlichungen?
Teresa: Blue Moon waren die ersten, die Trance-CD´s auf Taiwan importierten und später die ersten, die Trance produzierten und veröffentlichten. David und Dogma (Damir & Goran) lernten sich durch´s Internet kennen, fühlten, daß da was besonderes in der Musik ist und sie entschieden sich, beim Debut-Album zu helfen. Moontribe ist genau gesagt aus Taiwan, nicht China. Es ist die erste chinesische Trance Band. Das Abum "Moon Child" wurde im April veröffentlicht. Blue Moon plant noch, eine Serie von globaler Psychedelic Trance Musik herauszubringen und die erste "Psy-nergy" erscheint in einem Monat.
Pilz: Bitte erkläre uns Deine Vision einer globalen Trance-Community.
Teresa: Ich denke, es besteht kein Zweifel darin, daß Trance Musik die Musik dieses Jahrhunderts ist, das Vehikel bringt uns Menschen in ein anderes Millenium, die unbekannte Zukunft. Offensichtlich gehen die Leute, die diese Musik lieben, immer zu weit voran, gegenüber den Leuten, die noch nicht so weit sind. Persönlich bin ich optimistisch, was die globale Entwicklung des Trance betrifft, da die Energie und die positiven Vibrations der Musik selbst innewohnen. Zur Zeit wird es in Asien (mit Ausnahme Japans, die Szene in Tokyo entwickelt sich sehr schnell und positiv) noch einige Zeit dauern, um dahin zu kommen, was ihr in Deutschland oder Europa habt, bedingt auch durch Unterschiede im kulturellen Background, Lifestyle, Sozial- und Städtestrukturen... Trance entwickelt sich selbst so schnell, daß es sich mit immer mehr Elementen mischen wird. Ich schaue wirklich aufgeregt in die Zukunft, um zu sehen, wie in den nächsten Jahren die Szene wachsen und sich formen wird. Und ich möchte immer noch gerne ein Teil davon sein.