DROBS

Cannabis in der Schwangerschaft

Text: Peter Märtens / Drobs Hannover

(taken from mushroom magazine #58 aug&sep 99)

Die Unsicherheit über eine mögliche Schädigung des ungeborenen Kindes durch Cannabis während der Schwangerschaft ist groß. Fragen des folgenden Typs werden immer wieder an uns gerichtet:
- Ich habe erst vor wenigen Tagen gemerkt, daß ich schwanger bin. Ich kiffe täglich und reichlich. Kann es sein, daß ich meinem Kind jetzt geschadet habe?
- Ist etwas einzuwenden gegen einen Joint dann und wann? Das entspannt mich und ist dann vielleicht auch gut für das Kind.
Die Antwort auf diese Fragen kann nur eine vorläufige sein, da die bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse verschiedene Interpretationen zulassen. Dennoch scheinen mir einige Schlußfolgerungen möglich, die im Ergebnis recht undramatisch und beruhigend sind.

1. Fehlbildungen:
In den meisten Studien finden sich bisher keine Hinweise auf eine Zunahme angeborener Fehlbildungen bei Marihuanakonsum.

2. Schwangerschaftsdauer und Geburtsgewicht:
In einer groß angelegten Untersuchung mit 12442 Müttern, von denen etwa 10% einen Marihuanakonsum angaben, bestand der einzige signifikante Unterschied in einer größeren Anzahl vorzeitig einsetzender Wehen und Verkürzung der Schwangerschaft um etwa 1 Woche. Das Geburtsgewicht lag um durchschnittlich 79g niedriger als bei den Abstinenten. Bei einem durchschnittlichem Geburtsgewicht von 3500g ist dieses jedoch nicht weiter von Belang

3. Kindliche Gehirnentwicklung:
Hier hat man "Cannabiskinder" bis ins 12. Lebensjahr hinein untersucht. Während direkt nach der Geburt (bis zum 30. Tag) bei einigen eine leichte Schreckhaftigkeit beobachtet wurde und bis zum Alter von drei Jahren eine Veränderung im Schlafzyklus, ist ab dem 4. Lebensjahr in puncto Intelligenz, Sprachfähigkeit, Gedächtnis u.s.w. kein Unterschied festgestellt worden.

Fazit:
Bislang gibt es keine konsistenten Hinweise auf relevante Schädigungen des Kindes. Leichte Entwicklungsstörungen des Gehirns sind allerdings nicht ausgeschlossen. Dabei scheint es sich so zu verhalten, daß in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft eine Beeinflussung der Entwicklung des Embryos wahrscheinlicher ist, als nach der 12.Woche. Wer als stark chronische Marihuanakonsumentin einige Wochen nach der Empfängnis die Schwangerschaft bemerkt, wird dem Embryo wahrscheinlich nicht wesentlich geschadet haben. Es ist immer vernünftig, Drogen und Medikamente während der Schwangerschaft zu meiden. Dies gilt auch für Marihuana. Außerdem sollte bedacht werden, daß Cannabis in der Regel mit Tabak konsumiert wird und von daher die Schädigung durch Nikotin noch hinzukommt. Auch ist mir noch wichtig zu sagen, daß die Mutter Drogen ausscheiden kann, das ungeborene Kind aber nicht, der Drogenpegel kann deshalb stetig ansteigen.