
Cannabis in der Schwangerschaft
(taken from mushroom magazine #58 aug&sep 99)
Die Unsicherheit über eine mögliche Schädigung des ungeborenen Kindes durch
Cannabis während der Schwangerschaft ist groß. Fragen des folgenden Typs werden immer wieder an uns gerichtet:
- Ich habe erst vor wenigen Tagen gemerkt, daß ich schwanger bin. Ich kiffe
täglich und reichlich. Kann es sein, daß ich meinem Kind jetzt geschadet habe?
- Ist etwas einzuwenden gegen einen Joint dann und wann? Das entspannt mich
und ist dann vielleicht auch gut für das Kind.
Die Antwort auf diese Fragen kann nur eine vorläufige sein, da die bisher
vorliegenden Untersuchungsergebnisse verschiedene Interpretationen zulassen.
Dennoch scheinen mir einige Schlußfolgerungen möglich, die im Ergebnis recht undramatisch und beruhigend sind.
1. Fehlbildungen:
In den meisten Studien finden sich bisher keine Hinweise
auf eine Zunahme angeborener Fehlbildungen bei Marihuanakonsum.
2. Schwangerschaftsdauer und Geburtsgewicht:
In einer groß angelegten
Untersuchung mit 12442 Müttern, von denen etwa 10% einen Marihuanakonsum angaben, bestand der einzige signifikante Unterschied in einer größeren
Anzahl vorzeitig einsetzender Wehen und Verkürzung der Schwangerschaft um etwa 1 Woche. Das Geburtsgewicht lag um durchschnittlich 79g niedriger als
bei den Abstinenten. Bei einem durchschnittlichem Geburtsgewicht von 3500g ist dieses jedoch nicht weiter von Belang
3. Kindliche Gehirnentwicklung:
Hier hat man "Cannabiskinder" bis ins 12. Lebensjahr hinein untersucht. Während direkt nach der Geburt (bis zum 30. Tag) bei einigen eine leichte Schreckhaftigkeit beobachtet wurde und bis zum Alter von drei Jahren eine Veränderung im Schlafzyklus, ist ab dem 4. Lebensjahr in puncto Intelligenz, Sprachfähigkeit, Gedächtnis u.s.w. kein Unterschied festgestellt worden.
Fazit:
Bislang gibt es keine konsistenten Hinweise auf relevante
Schädigungen des Kindes. Leichte Entwicklungsstörungen des Gehirns sind
allerdings nicht ausgeschlossen. Dabei scheint es sich so zu verhalten, daß
in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft eine Beeinflussung der Entwicklung des Embryos wahrscheinlicher ist, als nach der 12.Woche. Wer als stark chronische Marihuanakonsumentin einige Wochen nach der Empfängnis
die Schwangerschaft bemerkt, wird dem Embryo wahrscheinlich nicht wesentlich geschadet haben.
Es ist immer vernünftig, Drogen und Medikamente während der Schwangerschaft
zu meiden. Dies gilt auch für Marihuana. Außerdem sollte bedacht werden, daß
Cannabis in der Regel mit Tabak konsumiert wird und von daher die Schädigung
durch Nikotin noch hinzukommt.
Auch ist mir noch wichtig zu sagen, daß die Mutter Drogen ausscheiden kann,
das ungeborene Kind aber nicht, der Drogenpegel kann deshalb stetig
ansteigen.