
special
Cocaine in my brain
(taken from mushroom magazine #51 jan 99)
Weihnachten, Silvester und zwischen den Tagen gönnen sich viele ein Briefchen Kokain. Ohne euch künstlich aufzuregen oder den Spaß an der Sache zu verderben, hat Dr. Obs doch noch ein paar Neuigkeiten zu dieser Substanz, die nachdenklich stimmen lassen.
Da waren mal 20 Affen in einem Forschungszentrum. 10 haben so viel Heroin bekommen, wie sie wollten. In den ersten sechs Wochen ist der Konsum angestiegen, hat sich dann aber auf mittleres Level eingeschossen. Die Tiere lagen und saßen monatelang zufrieden in ihrem Käfig, bis es den Forschern zu teuer wurde.
Parallel haben die anderen 10 Affen so viel Kokain bekommen, wie sie wollten. Der Konsum stieg und stieg. Nach zwei Monaten hatten sich mehr als die Hälfte totgekokst.
Auch wenn eine Kokainration mit einem elektrischen Schlag gekoppelt war, nahmen das die Affen in Kauf. Für große Portionen gab es viel Ampere für wenig Kokain nur wenig Strom in die Glieder. Die gierigen Tiere wählten trotzdem die großen Portionen. Kokain macht so gierig, wie keine andere Droge. Kokain hebt so dermaßen die Euphorie, daß selbst natürliche Kiks wie Sex und Erfolg kaum Chancen haben. Die, die es richtig dicke wollen, poppen und arbeiten auch noch auf Kokain. Doch je mehr jemand künstliche Euphorie gelernt hat, um so weniger ist er in der Lage natürliche Euphorie herzustellen.
Das liegt daran, weil in unserem Hirn ein erbsengroßes Belohnungszentrum ist, der Nucleus accumbens im Limbischen System. Dieser Nucleus accumbens wird u.a. vom Dopamin gesteuert. Einfach gesagt: Viel Dopamin macht glücklich, wenig Dopamin macht eher depressiv. Wenn der Nucl. acc. merkt und weiß, dass durch Ziehen eines Pulvers der Dopaminspiegel angehoben wird, es mir also gut geht, wird er immer, wenn es mir mal nicht so gut geht, sagen: "Zieh doch einfach eine Line Koks". Die Belohnung so hat das Gehirn gespeichert, läuft also über das Ziehen, Rauchen oder Drücken. Vergleichbar ist die Belohnung der Psyche und des Körpers bei gutem leidenschaftlichen Sex . Der Drang zur Wiederholung ist auch hier, jedenfalls wenn es richtig gut war, immens groß. Diesen Drang nach Wiederholungen nennt man craving. Auch die sogenannte Nadelgeilheit oder den Sniefzwang kann man darunter verstehen.
Komischerweise docken aber nicht alle Substanzen an den Nucl. acc. an und rufen somit das craving hervor bzw. können so schnell zur Sucht führen. Cannabis und LSD wurden z.B. von den Testaffen überhaupt nicht angenommen, sondern einfach linksliegen gelassen, weil sie nicht im Limbischen System wirken.
Übrigens sind alle lebensrelevanten Systeme über Euphorie gesteuert. Hätten wir nicht diese kleine Erbse im Kopf, würden wir an Depressionen zugrunde gehen. Deshalb sollte man schon gut haushalten mit seinen Euphorien und nicht so viel künstlich herbeiführen.
Die mushroom Redaktion und die chaishop-crew distanzieren sich von jeglicher Art von Tierversuchen. Allerdings wollten wir Euch dieses krasse Beispiel einmal vor Augen führen und Euch zum Nachdenken anregen.