Lingh-Shih

Der Pilz der Unsterblichkeit

Text: Marlene Kunold / catch a dream

(taken from mushroom magazine #50 / dec 98)

Aus weiterhin gegebenem Anlaß (Kälte, Schnee, Regen, bibber) möchte ich Euch gerne Ling Shih, den Pilz der Unsterblichkeit vorstellen, denn sein besonderer Einfluß auf das Immunsystem verlieh ihm in China den hohen Rang, den seine Bezeichnung ausdrückt. Er wurde bereits im alten China von den weisen Taoisten gesucht in den dortigen Wäldern, wo er gerne an den Wurzeln von Laubbäumen wuchs. Er war damals nur Chinas Führungselite vorbehalten, die den Pilz ehrte und pflegte wie ein Heiligtum. Selbst in den alten chinesischen Mythen taucht Ling Shih auf: "....Ein Mann, der schon drei Tage tot ist, erwacht sofort zu neuem Leben, wenn er damit berührt wird. Wenn man davon ißt, verlängert sich das Leben." Ling Shih wurde deshalb von besagter Führungselite angebaut. Professor Pan Zihang entwickelte geheime Verfahren, den Pilz zu vermehren. Heute gehört er zu den gesuchtesten Heilmitteln Asiens. Aus ihm werden Unsterblichkeitselixiere und Aphrodisiaka hergestellt. Inzwischen kann man Ling Shih auch hierzulande kaufen. Er ist nicht ganz leicht zu finden, aber ein erfahrener (Hobby-)Ethnobotaniker weiß bestimmt, wo er ihn bekommen kann.
Sehen wir uns mal an, was ihm nachgesagt wird: Der Pilzkörper und die Sporen enthalten ein Sterolakaloid. Er wirkt stimulierend auf die Leber und das Immunsystem, hilft vorbeugend gegen alle Krankheiten des Alter(n)s, und wirkt somit auf all die uns bekannten Krankheiten der westlichen Industrienationen. Angefangen von der Arteriosklerose, über Bluthochdruck, Herzinfarkt, Apoplex, Diabetes, aber auch natürlich Krebs, der verbreitetsten Krankheit des Immunsystems. Man sagt, bereits nach wenigen Tagen der Einnahme zeigt sich eine deutliche Vitalisierung und Aktivierung aller Körperfunktionen, der Bewegungsdrang nimmt zu, die Lust am Sex erwacht, man spürt jugendliche Wendigkeit, und das Hautbild verbessert sich. Die Nerven wirken stabiler, der Schlaf wird tiefer, ein Mehr an Energie steht zur Verfügung, geistige Klarheit prägt das Handeln, die Willenskraft nimmt zu, die Organe werden besser durchblutet, und die Schleimhäute erholen sich, Ablagerungen an den Zellwänden werden abgebaut. Das zeigt sich besonders deutlich bei Krankheiten wie Asthma, Rheuma, Allergien, auch bei allgemeiner Lethargie, und vor allem eben auch bei Krebs. Seine antikarzinogene (krebsheilende) Wirkung wurde in Laboruntersuchungen nachgewiesen.
Der Pilz hat eine holzige Struktur und seine Haut glänzt. Daher sein lateinischer Name "Ganoderma lucidum". Er wirkt wie mit Lack überzogen. Nachdem er geerntet wird, trocknet er einige Tage in der Sonne und ist dann sehr lange haltbar. Man kann ihn in Elixieren verarbeiten, oder aber ihn als Tee aufkochen und trinken. Sein Geschmack ist intensiv pilzig, deshalb ist er als Tee gewöhnungsbedürftig. Daher kann man auch, wenn man beispielsweise eine Suppe kocht, oder einen Gemüseeintopf, ihn in den letzten Minuten des Kochens hinzufügen. Jedenfalls ist das mein persönlicher Trick, mich an dem Pilztee vorbeizumogeln. Erstaunlicherweise fährt mein Hund darauf ab. Findet er irgendwo eine Tasse Ling-Shih-Tee, schlabbert er sie leer..... Instinkt ???
Marlene