Salvia Divinorum

Göttliche Rauchschwaden

Text: Marlene Kunold / catch a dream

(taken from mushroom magazine #46 / july 98)

Also: Salvia Divinorum darf natürlich nur zum Räuchern, bzw. zur „Raumluftverbesserung" verkauft werden. Wenn´s zum Rauchen verkauft wird, kann´s auf die Mütze geben von der Tabakindustrie von wegen Tabaksteuer nachbezahlen und dergleichen. Wenn Ihr also Salvia zum Räuchern angeboten bekommt, wißt Ihr jetzt, warum das so ist. Was Ihr in Euren eigenen vier Wänden damit anstellt, ob Ihr Euren Rüssel über die Räucherschüssel hängt, oder gleich das Kraut in die Blub tut, braucht Ihr ja nicht in die Welt zu posaunen, gelle?

Salvia heißt Salbei, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Es gibt viele verschiedene Arten von Salbei, u.a. gibt es auch einen dalmatinischen Salbei, der ebenfalls eine gewisse berauschende Wirkung hat. Salvia officinalis ist die bakannteste Salbeiart und hat eine medizinische Wirkung und wird hauptsächlich zur Desinfektion der Atemwege eingesetzt, aber auch bei Halsschmerzen, schlechtem Atem, nervösen Durchfällen, zur Waschung nässender Wunden, als Gewürz etc. Salvia Divinorum, das „göttliche Salbei" enthält einen Stoff, das Salvinorin A, ein psychoaktives Diterpen. Es gibt verschiedene Qualitäten von Salvia Divinorum, wobei die importierten Sorten preislich in ungeahnte Dimensionen klettern. Salvia kann per Steckiling wunderbar auch hier in Deutschland gezogen werden. Freilich ist es ein bißchen anspruchsvoll und hat gerne konstante Temperaturen, bzw. sollte von gärtnerisch erfahreneren Menschen gehalten werden. Die Blätter des Salvia werden nach der Ernte getrocknet, und das darin enthaltene Salvinorin kann sich dann noch lange Zeit halten. Solltest Du das Kraut doch einmal aus Versehen rauchen, erzeugt es die stärkste Wirkung, wenn man tief und schnell aufeinander folgend inhaliert. Die wirksame Menge liegt zwischen 0,5 und 2 Gramm getrocknetem Kraut. Natürlich kann man auch das hochkonzentrierte Salvinorin rauchen, was aber schwer zu bekommen und noch schwerer zu dosieren ist. Außerdem kann man die Blätter auslutschen, was aber grauselig bitter schmeckt. Allerdings verhält es sich mit dem Salvia so, daß es bei manchen Menschen überhaupt nie wirkt, bei anderen sofort und wieder bei anderen erst nach dem 5. oder 10. Mal rauchen. Warum das so ist, weiß ich nicht, und weiß auch nicht, ob es dafür eine Erklärung gibt. Die Wirkung: Salvia Divinorum wirkt halluzinogen, wobei man die Halluzinationen kaum vergleichen kann mit der Wirkung von beispielsweise LSD. Vielmehr verhält es sich so, daß das Körpergefühl sich so stark verändern kann, daß Du Dich körperlos fühlst. Oder Du meinst, Dich in einen Gegenstand oder ein Tier oder eine Pflanze zu verwandeln, oder Du nimmst Deine rechte Körperseit isoliert von Deiner linken wahr, um sie dann in einer göttlichen Synthese zu verschmelzen. Gefühle können verstärkt werden, Sinneswahrnehmungen ebenso, Geräusche, Gerüche, Licht, Farben können anders wahrgenommen werden, etc. Dein Gesichtsfeld kann sich verbiegen, verzerren und wabern, und Du kannst durch den Raum schweben in Deiner Wahrnehmung. Wenn irgendetwas passiert, was Dir Angst machen sollte, kann man sich mit etwas Konzentration und offenen Augen sehr leicht wieder ins Hier und Jetzt befördern. Daher ist die Gefahr des Realitätsverlustes relativ gering beim Salviarauchen. Die Wirkung setzt plötzlich und stark ein, und kann bis zu höchstens einer ganzen Stunde anhalten. Die Neigung zum Dauergebrauch scheint gering zu sein, ebenso daraus resultierend die Suchtgefahr. Salvia ist ein Halluzinogen mit vergleichsweise geringen Nebenwirkungen. Bei hoher Dosierung kann es zu leichtem Unwohlsein kommen oder zu Schweißausbrüchen. Darüberhinaus sind keine Nebenwirkungen bekannt. So ist Salvia Divinorum etwas, das auf eine aufregende Art und Weise die Sinne beflügelt, was NOCH legal ist, nicht suchterzeugend ist, und kaum Nebenwirkungen hat.