jan 98PILZEText: Tibor Harrach & Joachim Eul(taken from: mushroom magazine oct-jan 98) Geschichte / Substanzkunde / Wirkung Nun haben wir auf unserer Titelseite schon so lange manifestiert, das wir unter anderem ein Magazin für Pilzkunde sind, nun lösen wir unser Versprechen endlich ein und informieren Euch über leckerste Pilze der besonderen Art, die vorzugsweise auf nassen Wiesen wachsen und bei dessen Suche man immer wieder auf freundliche bunt gekleidete Menschen trifft, die mit gebeugtem Gang und anstrengendem Blick die verborgensten Kuhäcker abgrasen, um möglichst viel vom "Fleisch der Götter" zu finden. Struktur, Stabilität, Vorkommen und Nachweis von Psilocybin
Psilocin (4-Hydroxy-N,N-dimetyltryptamin) und dessen Phosphorsäureester, das Psilocybin, enthalten als Grundkörper das Tryptamin (eine Indolverbindung), welches sich z.B. auch im LSD, sowie im Neurotransmitter Serotonin wiederfindet. (Serotonin wird zum Beispiel unter Ecstasy-Einfluß vermehrt von bestimmten Hirnzellen ausgeschüttet und löst dann die von den Ecstasy-Usern beschriebenen Glücksgefühle aus.) Psilocybin, vor allem aber das instabilere Psilocin, werden bei Anwesenheit von Luftsauerstoff und mit zunehmender Temperatur (besonders oberhalb von 50-100° C) leicht abgebaut; in getrockneten Pilzen sind diese Substanzen bei kühler Lagerung und Luftabschluß jedoch über Jahre hinweg haltbar. Zum Umgang mit halluzinogen wirkenden Pilzen Warum Zauberpilze in unserer Zeit?Immer mehr drogenexperimentierende Menschen entdecken auf der Suche nach fundamentalen Erkenntnissen ihre verborgenen Wünsche nach spirituellem Erleben und dem "Einssein mit der kosmischen Ewigkeit" in einer "entzauberten", immer kälter werdenden, rationalen und materiellen Welt. Psychedelisch/halluzinogen wirkende Drogen befriedigen diese Wünsche, worin letztenendes der wesentliche Grund für den zu verzeichnenden Boom dieser Drogen (LSD und Zauberpilze) liegen könnte. So manchen überzeugten Atheisten soll auf einer Reise mit den Zauberpilzen schon der "Liebe Gott" begegnet sein. Halluzinogene Pilze auf Technoparties Der in letzter Zeit in der Technoszene, hier vor allem bei Anhängern der Goa-, Acidhouse- und Acidtrance-Musik, zu verzeichnende Trend hin zu halluzinogenen Drogen (vor allem zu LSD) erweckte auch die psychedelischen Pilze endgültig aus ihrem Dornröschenschlaf. Klangbilder dieser Musikrichtungen erscheinen nach Halluzinogenkonsum höher aufgelöst und bei entsprechender Dekoration und Lichteffekten wird eine "Optik" erzeugt, welche zusammen mit dem als "schwebend" beschriebenen Körpergefühl die User nach deren Aussagen völlig "abspacen" läßt. Der Gebrauch von psilocybinhaltigen Pilzen bei Pilzritualen Aus den spirituellen Sitzungen der Ureinwohner Amerikas und Asiens leiten sich die seit einigen Jahren in Europa stattfindenden Pilzrituale ab, welche ein bis zwei Tage dauern, und an denen ungefähr zehn Personen teilnehmen: Als wichtig vor dem Pilzverzehr gilt eine Aktivierung des Stoffwechsels in einer speziellen Schwitzhütte (zur Not auch in einer Sauna) und mindestens zwölfstündiges Fasten, auch sexuelle Abstinenz einige Tage vorher wird empfohlen. Das eigentliche Pilzritual findet bevorzugt zu Vollmondnächten statt, wobei Räucherstoffe (zumeist Sage oder Salbei) und spezielle Musik das Ritual begleiten. Etwa eine Stunde nach dem gemeinsamen Pilzverzehr wird ein sogenannter Sprechender Stab im Kreise der Anwesenden herumgereicht; jeder, der den Stab in der Hand hält, ist aufgefordert, über seine momentanen Erlebnisse zu berichten; der Rest schweigt und hört zu. Die Nachbereitung findet am nächsten Tag statt, wo über die Pilzerfahrung dann gemeinsam diskutiert wird. Pilze selbst sammeln? Wer Pilze, sei es zur Aufmunterung des Gaumens (z. B. Champignons, Pfifferlinge, Steinpilze) oder des Gehirns ("Psilos") sammelt, sollte natürlich auch ihr Aussehen kennen. Hier hilft entsprechende Fachliteratur, besser jedoch man/frau schließt sich erfahrenen Pilzsammlern bei der Suche an. Verwechslungsmöglichkeiten mit (tödlich) giftigen Pilzen sind zumindest beim spitzkegeligen Kahlkopf (Psilocybe semilanceata) kaum möglich. Verschiedene psilocybinhaltige Inocybearten (I. aeruginascens (s.o.), I. corydalina u.a.) können aber von unerfahrenen Sammlern sehr leicht mit hochgiftigen Arten der gleichen Pilzgattung (Rißpilze, Pilzgift Muscarin) verwechselt werden. Bei auf Holzresten wachsenden Psilocybearten (z.B. P. stuntzii) besteht zudem Verwechslungsgefahr mit Gallerinaarten (z.B. G. marginata, Nadelholzhäubling), die evtl. tödliche Mengen Amanitin (Knollenblätterpilzgift) enthalten. Gesammelte Pilze sollten prinzipiell schnellstens verzehrt werden, da sich Pilzeiweiße recht bald zu gefährlichen Toxinen zersetzen, und altePilze auch ein bevorzugtes Substrat für Schimmelpilze darstellen, die wiederum krebserzeugende Aflatoxine bilden. Ist ein Verzehr nach maximal 2-3 Tagen (Lagerung im Kühlschrank) nicht möglich, empfiehlt sich (wegen dieser Gefahren) eine Trocknung nach bewährter Küchenmykologenart für ca. 6-12 Stunden bei 50°C im Backofen (die Pilze dürfen sich anschließend nicht mehr elastisch anfühlen und müssen spröde sein). Die Pilze können dann an einem trockenen Ort, möglichst unter Sauerstoffabschluß und kühl ein bis fünf Jahre aufbewahrt werden. Pilze selbst züchten? Man/frau kann natürlich zunächst versuchen, die rohen Pilzabfälle zur Pilzmahlzeit (insbesondere Hutteile mit den Basidiosporen) auf einem Komposthaufen oder der Wiese zu verteilen; mit etwas Glück wachsen dann im folgenden Jahr die geliebten Pilze direkt vor der Haustür. Das klappt allerdings nicht immer; analog zur Heimzucht von Champignons usw. werden deshalb von findigen Leuten auch seit einigen Jahren die Materialien zur Anzucht psilocybinhaltiger Pilze (in der Regel: Stropharia cubensis) angeboten. Vertrieben werden primär die Pilzbasidiosporen (merkwürdigerweise oft dort, wo es auch Hanfsamen zu kaufen gibt) nebst Zubehör (Petrischalen mit Agarnährböden zur Anzucht des primären Pilzmycels) und das notwendige "Know-How" (Züchterfachliteratur). Die Hauptkultur bei Stropharia cubensis erfolgt zumeist auf hitzesterilisiertem Roggen, zur Fruchtkörperbildung sollte der Roggen (analog zur Champignonkultur) zuvor jedoch noch mit Kompost abgedeckt werden. Andere Pilzarten, die als reine Moder- und Holzzersetzer wachsen, brauchen keine Deckerde und sind deshalb einfacher zu kultivieren, Sporen hiervon sind aber (noch) nicht oder nur schwer käuflich erhältlich. Psilocybinhaltige Pilze kaufen? Ein kontinuierlicher Markt hierfür existiert zumindest in Deutschland kaum. Auf freier Wiese oder im Wald gesammelte Pilze gehen in der Regel nicht in den Handel (wenn sich Ausnahmen in jüngster Zeit auch häufen), und regelrechte gewerbsmäßige Pilzfarmen sind hierzulande wohl noch eine Ausnahme. Die zuweilen zum Preis von 10-20 Mark pro Gramm Trockengewicht angebotenen Pilze stammen zumeist aus Holland oder die vermeidlichen "Psilos" sind ganz gewöhnliche getrocknete Pilze, denen von geschäftstüchtigen Panschern etwas billiges LSD (s.u.) zugesetzt wurde (eine Praxis, die auch in den USA der 70er Jahre bei einem Mangel an echten "Psilos" gang und gäbe war). Noch weniger als die Pilze selbst ist reines Psilocybin auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Die Ursachen hierfür sind wohl zum einen das weniger lukrative Geschäft im Vergleich zur LSD-Herstellung (1 g LSD liefert 5000 Trips, 1 g Psilocybin reicht aber nur für ca. 50 Anwendungen). Echte Pilzkenner scheinen zudem das natürliche Produkt Pilz der alleinigen, synthetischen Droge Psilocybin vorzuziehen; im Pilz und dessen Konsum wird - wie bei den Ureinwohnern in Mexiko oder Sibirien - immer auch noch etwas Mystisches gesehen (s. auch Pilzrituale), was dem Pulver Psilocybin einfach fehlt. Fliegen- und Pantherpilze Diese beiden Pilze, welche manche "Insider" ebenfalls verspeisen (übliche Dosis 2-3 mittelgroße hitzegetrocknete (!) Fliegenpilze), enthalten ebenfalls Inhaltsstoffe mit halluzinogener Wirkung; jedoch handelt es sich hierbei nie um Psilocybin oder seine Derivate, sondern um Ibotensäure, Muszimol und Muscazon (diese fallen im Unterschied zu Psilocybin übrigens nicht unter das BtMG). Im Gegensatz zu Psilocybin rufen diese aber auch Übelkeit, Erbrechen und Herzrasen hervor, wenn auch Todesfolgen nach Verzehr von Fliegenpilzen (Amanita muscaria) bislang nicht belegt sind; Ibotensäure erwies sich im Tierversuch zudem als starkes Nervengift, sie wird beim Lufttrocknen der Fliegenpilze aber in das weniger giftige Muszimol unter Decarboxylierung umgesetzt. Ein hohes Risiko stellt die absolute Unberechenbarkeit der Wirkstoffkonzentration in den Pilzen dar (Schwankungen bis zum Faktor 100 sind möglich). Die von den Ureinwohnern Sibiriens konsumierten Fliegenpilze haben im Vergleich zu den heimischen Fliegenpilzen ein anderes Verhältnis der drei Wirkstoffe untereinander, wodurch die halluzinogene Komponente in Relation zur Giftwirkung dort mehr in den Vordergrund tritt. Im Unterschied zu Psilocybin werden die Halluzinogene der Fliegenpilze zu über 90% unverändert mit dem Urin wieder ausgeschieden, der Urin wurde als Rauschgetränk in Sibirien deshalb oft mehrmals wiederverwendet. Der Pantherpilz (Amanita pantherina) enthält zusätzlich noch das Pilzgift Muscarin, welches in noch größerer Menge auch in vielen Rißpilzen (Inocybe-arten) (s.v.) vorkommt, und welches für Todesfälle verantwortlich ist. Der Pilztrip Ein Mykologe beschrieb seine Erlebnisse nach vorsätzlichem Verzehr von ca. 2 g getrockneten Inocybe aeruginascens (Fundort bei Potsdam) folgendermaßen:"Die Pilze schmeckten wie gewöhnliche Speisepilze. Nach etwa 30 Minuten stellte sich bei entspanntem Liegen allmählich eine angenehme Aufhebung des Schweregefühls ein. Langsam entwickelten sich auch abstrakte Halluzinationen in Form von sprühenden Farben und Lichtern. Mit der völligen Aufhebung des Schweregefühls entstand die sehr lebhafte Vorstellung eines Fluges der Seele mit entsprechend euphorischen Gefühlen. Beim Schauen aus dem Fenster in die dunkle Nacht in eine Waldlandschaft traten Illusionen in Form seltsamer Raster und Muster auf, die besonders eindringlich wirkten und einen Hauch von Ewigkeit verbreiteten. Nach vier Stunden war schließlich die Wirkung ohne jegliches körperliches Mißempfinden abgeklungen.Ó Dosis und Wirkung des Psilocybins Da der Psiloc(yb)ingehalt abhängig von der Pilzart, aber auch innerhalb der gleichen Art stark variieren kann, ist ein Rückschluß von der konsumierten Pilzmenge in aufgenommenes Psiloc(yb)in nicht ohne weiters möglich. Als Groborientierung kann gelten, daß 10 mg halluzinogene Stoffe (zumeist vorwiegend Psilocybin, weniger Psilocin, noch seltener Beaocsytin) in etwa 2 g getrockneten Stropharia cubensis, 1 g getrockneten/10 g frischen Psilocybe semilanceata oder 0,5 g getrockneten/5 g frischen Psilocybe cyanescens oder P. azurescens enthalten sind. ca. 3 mg Psilocybin erste schwache körperliche und geistige Wirkungen werden wahrgenommen 5-10 mg Psylocybin Halluzinationen werden in Form schnellfließender überaus farbenvoller Bilder bei geschlosenen Augen wie in einem "FilmÓ (im Zustand eines Wachtraumes) erlebt. Bis zu dieser Menge wirkt Psilocybin/Psilocin noch stark antriebssteigernd, und damit auch auf Parties tanzfördernd. ab ca. 10 mg Psilocybin: Auch die von den Augen wahrgenomme Umwelt wird in andere Formen und in andere Farben uminterpretiert. ab ca. 20 mg Psiocybin: Zusätzliche Bewußtseinsveränderungen treten auf (man glaubt sich z.B. an einem ganz anderen Ort oder in einer anderen Zeit zu befinden). Gleichzeitig sind aber erhebliche Gleichgewichts- und Orientierungsstörungen nicht selten (Tanzen ist dann kaum noch drin). ca. 60-100 mg Psilocybin: höchste, bei speziellen psychotherapeutischen Sitzungen angewandte Dosis ca. 20.000 mg (20 g) Psilocybin: vermutete letale Dosis beim Menschen (die LD50 bei Mäusen liegt bei 280 mg/kg). Typischer Verlauf einer halluzinogenen Reise Etwa 20-30 Minuten nach der Pilzmahlzeit (mit ca. 10-20 mg Psilocybin) kann das vorübergehende Gefühl ähnlich einem leichten Alkoholrausch eintreten. Ein inneres Wärmegefühl kann sich einstellen und die Lust auf Sex ist nicht selten erhöht (Aphrodisiakum), Liebesspiel und Orgasmus werden dann oft in einer neuen Dimension erlebt. (Zauberpilze wurden auch im alten Mexiko bei besonderen Liebesritualen eingesetzt.). Die eigentlichen (optischen) Halluzinationen stellen sich zumeist erst ca 1 Stunde nach dem Pilzkonsum ein, erreichen nach etwa 2 Stunden ihren Höhepunkt und dauern bis zu 5 Stunden an. Das Gehirn erreicht dabei einen unglaublichen Wachzustand, so daß ein Einschlafen während der "halluzinognen ReiseÓ fast nicht möglich ist - anders als nach Cannabis-Konsum; der "Psilo-FilmÓ klingt schnell und weich aus, zum Drogenkater kommt es nur selten. Psilocybin führt allerdings schnell zur Toleranz, d.h. nach ein- bis zweimaligen Konsum innerhalb von 1-2 Tagen wird die gleiche Wirkung anschließend erst bei einer sehr viel höheren (Pilz-)Dosis erreicht. Eine Kreuztoleranz besteht übrigens auch zu anderen Tryptaminderivaten (LSD etc.). Die Toleranz ist nach ca. einer Woche Abstinenz jedoch wieder aufgehoben. Unterschiede zum LSD-Trip Die Halluzinationen und psychedelischen Erlebnisse unter Psilocybineinfluß sind ähnlich denen nach LSD-Konsum. Markante Unterschiede sind aber: Die Wirkungszeit ist bei den Pilzen mit maximal 5 Stunden deutlich kürzer (LSD-Trips dauern bis zu 10 Stunden und länger an) und die "Psychedelische ReiseÓ ist dadurch leichter steuerbar. Die Gefahr, "schlecht drauf zu kommen" (Panikzustände/Horrortrip) ist bei Pilzen im Vergleich zu LSD deutlich geringer. Psilocybin bewirkt außerdem meist eine stabile positive Gefühlsfärbung, d.h. abrupte Stimmungsumschwünge sind vergeichsweise seltener, und es führt zu einer geringeren Bedrängnis beim Wiedererleben von verdrängten Konflikten und traumatischem Erlebnismaterial. Außerdem besitzt Psilocybin weniger neurovegetative Nebenwirkungen, und es zeigt eine geringere Neigung zu Identitätsverlusten. Aus den genannten Gründen wird Psilocybin deshalb beim Einsatz in der Psychoanalyse/ Psychotherapie, aber auch von vielen Usern dem "mächtigerÓ wirkenden LSD vorgezogen. Stoffwechsel des Psilocybins Das aufgenommene Psilocybin wird im Körper unter Phosphorsäureabspaltung zu Psilocin umgewandelt und gleichmäßig über alle Körperorgane verteilt. 25% dieser Menge werden unverändert über die Nieren ausgeschieden, 65% werden innerhalb von einigen Stunden weiter metabolisiert (verstoffwechselt) und etwa 10% bleiben (im Fettgewebe) einige Tage gespeichert. Psychedelische Bewußtseinszustände Damit ein Individuum in seiner Umwelt selbstständig existieren und mit anderen Individuen in Beziehung treten kann, muß es sein eigenes Ich von seiner Umwelt und von den anderen Menschen klar abgrenzen können. Ferner muß die nahezu unendlich große Flut von optischen, akustischen und sonstigen Sinneseindrücken durch Vergleich mit umittelbar zuvor aufgenommenen Reizen sowie mit den im Gedächtnis oder Unterbewußtsein abgelegten Informationen bewertet, interpretiert und auf ein "vernünftiges MaßÓ gefiltert werden, bevor diese bewußt wahrgenommen werden können. Dabei scheint dem im Zwischenhirn lokalisierten Thalamus, der Eingangspforte zur Großhirnrinde und damit zum Bewußtsein, die entscheidende Rolle zuzukommen: Die von den Augen, von den Ohren, der Nase oder der Haut über den Thalamus eingehenden sensorischen Informationen werden in der Großhirnrinde decodiert und über eine Rückkopplungsschleife zum Thalamus zurückprojiziert, um erneut in diese Schleife eingespeist zu werden (cortico-striato-thalamo-cortikale (CSTC) Schleifen-Modell). Dieser Mechanismus schützt das Großhirn vor externer Reizüberflutung, indem die vom Thalamus zurückprojizierte Information einen hemmenden Einfluß auf die neu eingehenden äußeren Sinnesreize ausübt (negativer Rückkopplungsmechanismus auf den thalamischen Filter). Das CSTC-Schleifen-Modell geht davon aus, daß psychedelische Bewußtseinszustände auf einer veränderten bzw. fehlerhaften Interpretation von inneren und äußeren Reizmustern beruhen. Es wird zunächst angenommen, daß die Halluzinogene Psilocybin und LSD den körpereigenen Botenstoff Serotonin aufgrund ihrer strukturellen Ähnlichkeit imitieren. Diese Halluzinogene führen dadurch zu einer Aktivierung bestimmter Serotoninrezeptoren auf Nervenzellen des Thalamus, des Stirnhirns und des Striatums. Hierdurch wird dieser CSTC-Schleifenmechanismus vorübergehend entkoppelt und damit der thalamische Filter geöffnet. Die Öffnung führt zu einer Reizüberflutung: Sinnesinformationen werden nicht mehr fortlaufend mit Gedächtnisspuren verglichen und damit sinnvoll interpretiert, was zu einer fundamental veränderten Ich- und Umwelterfahrung führt. Im Extremfall (bei sehr hoher Dosierung der Halluzinogene) erlebt das Gehirn dann die Welt nur noch in einzelnen Bildern ohne Zusammenhang beziehungsweise mit verändeter Bedeutung - oder als ein "unermeßlich fließendes Ganzes, als einen Strom innerer Visionen". Die rechtliche Situation / Safer Use Regeln Im Unterschied zum (THC-haltigen) Hanf fallen psilocybinhaltige Pilze als Pflanze (noch) nicht unmittelbar unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Das Sammeln von der Wiese, aber auch das Züchten psilocybinhaltiger Pilze zum anschließenden sofortigen Eigenkonsum soll bislang auch noch nicht strafrechtlich geahndet worden sein. (Der reine Konsum aller illegalisierten Drogen ist nach dem deutschen BtMG ohnehin nicht strafbar.) Der Inhaltstoff Psilocybin und seine Derivate sowie deren Zubereitungen sind allerdings im BtMG in der Anhangsliste I erwähnt; alle Handlungen, die zu dessen Anreicherung bzw. Konservierung* (Pilze trocknen etc.), Isolierung (Extrahierung aus Pilzen) oder gar Synthese führen, müssen deshalb nach dem BtMG strafrechtlich verfolgt werden. (Wer die Pilze für einen späteren Verzehr nicht konserviert, riskiert zwar eventuell keinen Verstoß gegen das BtMG, dafür aber eine ernsthafte Vergiftung durch zersetzte Pilzeiweiße!) Ansonsten gilt für Psilocybin das gleiche, was auch für alle anderen illegalisierten Drogen zutrifft: Nach §29 (5) BtMG kann das Gericht von einer Bestrafung oder nach §31a bereits die Staatsanwaltschaft von einer Strafverfolgung absehen, wenn dem Täter nur der Erwerb oder Besitz einer geringen Menge ausschließlich zum Eigengebrauch nachgewiesen wird. In der Rechtspraxis sind dies etwa 3 Konsumeinheiten, demnach also ca. 40-60 mg Psilocybin oder 8-12g getrocknete Pilze mit einem Anteil von 0,5%. Nach dem Kommentar des hessischen Oberstaatsanwalts Körner läßt der § 31a jedoch eine weitaus großzügigere Auslegung von (z.B. bei Speed) 20-30 Konsumeinheiten zu, dies wären analog bis zu 120 g getrocknete psilocybinhaltige Pilze. Zu beachten ist ferner der erschwerende Fall "der nicht unerheblichen Menge" (z.B. bei Cannabis mehr als 300 Konsumeinheiten) für Besitz und Handel sowie die Abgabe an Personen unter 18 Jahren (wenn der Täter über 21 Jahre alt ist), was mit Freiheitsstrafen von 1 bis15 Jahren geahndet wird! Safer Use Regeln Ein risikofreier Gebrauch von halluzinogenen Pilzen ist niemals möglich. Wer auf den Konsum dieser Pilze nicht verzichten möchte, sollte aber zumindest folgende Regeln unbedingt beachten: (1) Nehme niemals "Psilos", wenn Du schlecht drauf bist oder in einer für Dich unangenehmen Atmosphäre (ungünstiges Setting) bzw. wenn Du Angst (ungünstiges Set) vor diesen Pilzen hast. Parties sind für unerfahrene User nicht das optimale Setting: eine nicht zu verkraftende Reizüberflutung kann hier leicht zu Panikanfällen führen. (2) Achte darauf, daß Du während des Pilztrips einen halluzinogen-erfahrenen, Dir vertrauten Ansprechpartner hast, der, wenn Du schlecht drauf kommen solltest, beruhigend auf Dich einwirken kann. Es reicht hierzu in der Regel aus, den Betroffenen in eine ruhige Umgebung (Frischluft) zu bringen, Körperkontakt zu halten und durch Zureden zu beruhigen. Sollte auch dies nichts nützen, scheue Dich nicht, einen Arzt zu rufen und kläre ihn vollständig auf: Ärzte sind an ihre Schweigepflicht gebunden. (3) Wenn sich nach 30-60 Minuten nach dem Pilzverzehr noch keine Wirkung einstellt, nicht gleich weitere Pilze "nachwerfen"; bei vollem Magen etc. kann sich das Einsetzen der Wirkung nämlich bis zu eineinhalb Stunden verzögern. (4) Ist der Wirkstoffgehalt der Pilze nicht abschätzbar, so können 1g getrocknete oder 5-10g frische Pilze unter Umständen bereits eine hohe Dosis von 20 mg Psilocybin (wie z.B. bei Psilocybe cyanescens oder P. azurescens) bedeuten. (5) Psychedelische Bewußtseinszustände stellen eine Ausnahmesituation dar. Bewußtseinsverändernde Pilze sollten deshalb in möglichst großen Abständen (nicht mehr als einmal monatlich) und auch nicht von Menschen genommen werden, die noch voll in ihrer Persönlichkeitsentwicklung stecken. (6) Nehme diese Pilze nicht in Verbindung mit anderen Drogen: Mischkonsum stellt ein unkalkulierbares Risiko dar. (Eine Ausnahme hiervon bildet allenfalls Cannabis, wo unangenehme Wechselwirkungen nach Auskunft der User kaum zu befürchten sind.) (7) Bewahre sicherheitshalber ein Exemplar der verspeisten Pilze auf. Sofern eine Verwechslung mit einer giftigen Pilzart stattfand, dient dieses zur Artbestimmung, so daß im Krankenhaus gezielt gegen das entsprechende Pilzgift (s.v.) vorgegangen werden kann. Hinweis: Der Abdruck dieser Regeln sollte nicht als Aufforderung mißverstanden werden, halluzinogene Pilze zu konsumieren. |