mar 25, 1999

...it´s better in goa !

Reisebericht von zur Goa-Saison 98/99

Text by Oliver Becker

taken from mushroom magazine #52 feb 99

Vier Jahre sind vergangen, seit ich das letzte mal in Goa war. Eigentlich hatte ich mir geschworen nie wieder nach Indien zu kommen, nachdem ich das letzte mal mit unter 50 kg, abgemagert durch Hepatitis, total gelb aus dem Himalaya nach Europa zurückkehrte. Aber Goa ist nicht Indien! Oder vielleicht doch? Egal, ich war froh, daß ich wieder mal dort war, alte Gesichter wiederzutreffen und die wenigen Veränderungen zu registrieren.

Heiligabend lande ich in Bombay, der dreckigsten Stadt der Welt. Bloß schnell nach Goa. Ich habe Glück und bekomme eine Doppelkabine für mich alleine im Sleeper-Bus für 700 Ruppie (28,-DM). Im hinteren Teil kreist die Whiskey-Flasche und englische Seemanns-Lieder werden gegrölt. Glücklicherweise bin ich viel zu müde und wache kurz vor Mapsa auf. Es ist noch dunkel, als mich der Taxifahrer in Nord-Anjuna am Wendeplatz absetzt. In der Ferne höre ich den Bass, irgendwo scheint eine Party zu sein. Die Morgendämmerung setzt ein und ich komme mit Tom ins Gespräch: "Hey, du bist doch der Typ, der vor ein paar Jahren in Vagator den Ambassador an Ramdas verkauft hat?" fragt er mich. "Richtig, vor vier Jahren", antworte ich, "was ist aus der Karre und aus Ramdas geworden?" "Ramdas Bar heißt nicht mehr Ramdas Bar sondern Nine Bar. Jeden Abend ist dort zum Sunset am meisten los, hat ein ordentliches Soundsystem und immer einen anderen DJ am Start. Da legt keiner ein zweites mal auf, wenn du ein gutes Demo-DAT oder Tape hast, haste gute Chancen da mal für einen Abend aufzulegen." "Waauuu, good news,..." "....und die Karre ist keine Karre mehr, sondern ein Schmuckstück, was wie neu aussieht,..., Haste ne´ Bleibe? fragt er mich. "Nee, noch nicht, bin gerade erst angekommen." "Ich bring dich zu Theresa, sie ist Besitzerin des Shops im Postoffice, off sure, she has a good save and clean place to stay for you." "Sounds good,...,let´s go,..." Theresa ist gerade aufgewacht und ich bekam ein großes Zimmer mit Dusche und Klo für 150 Ruppies (6,-DM). Zur Mobilität eine 100ccm Yamaha für 100 Ruppie am Tag (4,-DM) gemietet. Zum ersten Frühstück in Goa bewege ich mich in die German Bakery. Es sind einige schattige Plätze frei, durch Zufall setze ich mich aber an den Tisch von DJ Amrit, welcher am Abend und Morgen darauf die tanzwütige Menge im Disco-Vally (Vagator) mit Energie versorgen sollte. (war ´ne echt gute Party). Ich will gerade bestellen, als Woody, der Besitzer der German Bakery zum Frühstück kommt. "Hey, dich kenne ich doch, du bist doch der Typ vom BTM-Kurier, wie war noch gleich dein Name?" "Olli - aber den BTM-Kurier gibt es nicht mehr. Ich schreibe jetzt für das grow! Magazine und mushroom." - "Richtig, Olli, ich lade dich zum Porrigge ein" - "Ist das vegan?" frage ich ihn. "Können wir auch mit Sojamilch oder Wasser machen, ist eh gesünder,..., wir haben jetzt auch jede Menge Infos über gesunde Ernährung mit auf der Speisekarte", welche ich daraufhin aufmerksam studiere. Sprossensalat, Avocado-Salat, Karrottensaft, sogar Weizengrasssaft, 6-Korn-Brot, vegane Burger, Kräutertee und vieles mehr,..., zum Teil aber auch nicht so healthy. Woody würde allerdings am liebsten nur gesunde Küche anbieten:"Ist aber dieses Jahr nicht drin, sind viel zu wenig Leute hier in Goa, ungefähr ein Viertel von dem was letztes Jahr da war. Ist ein großer Betrieb hier, da muß man gucken, daß es weiter geht." Es ist inzwischen 10.30 Uhr, der Bass hämmert immer noch. Ich beschließe die Party zu suchen. Am Straßenrand sehe ich rund 150 geparkte Motorräder. Der Sound ist deutlich lauter und hinter ein paar Bäumen entdecke ich die rund 100 Tänzer. Wauuu, viele bekannte Gesichter, "hallo!" hier, "hallo!" dort. Durchgeschwitzt nach drei Stunden Trance vom Feinsten sitze ich für eine Rauch- und Obstpause bei einer Chai-Mama. Ich habe mich gerade niedergelassen, als der japanische DJ ein Stück von X-Dream auflegt. Kurz danach scheint die Party zu Ende zu sein. Keiner bewegt sich von der Stelle, Pfiffe kommen:"more, more", fordern diejenigen, die direkt in der Sonne tanzen. Einige weitere Tracks werden aufgelegt. Das bis dato unreleaste "380 Volt" von "S.U.N. Project" bildet den krönenden Abschluß.
Zum Obstsalat fahre ich nach Chapora. Mein erster Eindruck: nichts hat sich hier verändert, oder doch? Der Obstsalat ist in der "Ganesh Juice Bar" mit 15 Ruppie immer noch größer und trotzdem 5 Ruppie billiger als bei "Scarlet" direkt nebenan. Eines fällt mir jedoch auf: wo sind die Chillum-Raucher, die hier immer zahlreich unter dem Mango-Baum saßen? Die Juice-Bar ist immer ein guter Platz um an neue Infos zu kommen. Ich genieße die frischen Säfte und unterhalte mich mit Menschen unterschiedlicher Nationalitäten."Heute abend Party in Disco-Vally!" höre ich sowie meine Frage klärend: "letztes Jahr haben die Bullen richtig aufgeräumt, viele Verhaftungen, deshalb raucht hier am Mango-Baum keiner mehr,...".
Ein paar Tage später...
Nach einem guten Salat und Dal - Chapati-Reis Gericht gehe ich früh zu Bett und wache mit den ersten krähenden Hähnen auf. Ein paar Kniebeugen, Liegestützen, Zähne putzen, leichte Kleidung angezogen, den Tau von der Sitzbank der Yamaha gewischt und leicht fröstelnd (nur im Dez./Jan./Feb.) auf nach Vagator ins "Disco-Vally" zum kollektiven Frühsport. Gleiches Bild auf dem Dancefloor: fast die gleichen Leute wie am Vortag. Ich tanzte bis zum Ende der Party um 11.00 Uhr. Völlig ausgebrannt setze ich mich auf die Felsen am Strand und meditiere für eine Weile zum Meeresrauschen. Kopfmäßig klar - befreit, leichtfühlig vom Trancetanzen fahre ich mit ein paar Neuseeländern nach Anjuna zur German Bakery um zu Frühstücken. Nachmittags schaue ich dann bei Ramdas vorbei. Der Ambassador hat sich sehr verändert, ich denke ich stehe vor einem neuen Auto, als Ramdas aus dem Haus kommt. Er erkennt mich, wir begrüßen uns und quatschen über alles mögliche. Ramdas erzählt mir wie auf einmal direkt gegenüber das große Restaurant gebaut wurde. Glücklicherweise hatte er den Wagen und konnte so Material herbeibringen um auch zu vergrößern. In der Tat hat sich hier einiges verändert. Gegen 17.00 Uhr beginnt der täglich wechselnde DJ mit seinem Set. Die "Nine-Bar" beginnt sich zu füllen. Wer in "Little-Vagator" am Strand liegt, muß automatisch die Klippe hoch, zwingend notwendig bevor es dunkel wird und an der "Nine-Bar" vorbei. Dort ist jeden Abend, außer Mittwoch am meisten los, die Tanzfläche ist bis 22.00 Uhr gefüllt. Dann ist Feierabend, die meisten sind eh schon irgendwo in einem der zahlreichen preiswerten Restaurants oder sind sich das Salzwasser abduschen. Mittwochs ist in Anjuna Fleemarket, anschließend zum Sonnenuntergang ist dann der Treffpunkt die "Shore-Bar". Dieses ist am letzten Mittwoch des Jahres1998 auch nicht anders. Auf dem Markt gehe ich dann herrum um Flyer für das Solipse-Festival im August ´99 in Ungarn zu verteilen, schließlich ist unsere Bioase -Catering Company für die Verpflegung auf der Solipse verantwortlich. (www.solipse.com) Dabei lerne ich viele, viele nette Leute kennen und erfahre von allen Silvester-Parties: Eine in Badem in der nähe der Tankstelle, eine in Vagator im "Hill-Top", eine in Arambol, eine am Om-Beach, fünf Stunden mit dem Motorrad und DJ Goa Gil in Anjuna im "Paradiso". Als Gerücht erwiesen sich die Parties im Bamboo-Forest und Disco-Vally,... es gibt eben nicht so viele gute Sound-Anlagen in Goa. Ich befinde mich mit ein paar Freunden zum Jahreswechel im "Primrose", dem abendlichen Treffpunkt für die Zeit von 23.00 Uhr bis 2.00Uhr und checkte danach die Party im Badem ab, wobei ich am liebsten das DJ-Pult umgeschmissen hätte: Ein paar Engländer machten mit grausamen Techno-Bum-Bum gerade denn guten Ruf von Trance-musik kaputt. Im Hill-Top war nicht sehr viel los und die völlig verstopfte Straße in Nord-Anjuna ließ ahnen, was sich gerade im Paradiso abspielte: Besoffene Inder über besoffene Inder, über besoffene Inder, und noch mehr besoffene Inder, dazwischen ein paar westliche Gesichter. Die beste Zeit für eine Kopfkissen-Party, dennoch bleibe ich die Nacht über auf. Mit der Sonne verschwinden dann die Inder und ich mixe mir flüssigen Mushrooms mit Wasser. 15 Minuten später ergreift mich die Kraft der Pilze und ich tanze bis zum Sonnenuntergang durch. Nach einem reichhaltigen veganes Abendessen höre ich: "Goa Gil macht durch und legt bis zum Vollmond auf:" das heißt, die Silvester-Party währe noch nicht zu Ende. Im Paradiso angekommen, immer noch das gleiche Bild: Goa Gil an den DAT-Recordern. Ich beginne wieder zu tanzen. Um 14.00 Uhr endet dann die Musik und ein Applaus beginnt. 10 Minuten später klatschen die Leute immer noch und der Meister erbarmt sich mit einer weiteren Stunde Trance. Wieder erfolgt ein satter Applaus, aber 37 Stunden und 20 Minuten Tracks zu spielen, von denen keiner länger als drei Monate released ist, großartige Leistung - Respekt !!! Das ein paar Tracks zweimal liefen, ist da auch egal... Einige gute Parties und Tage später bin ich auch schon wieder im kalten Deutschland. Selber Schuld!!!

It´s better in Goa!

Oliver Becker

 

Re: It´s better in Goa

text by Reel

taken from mushroom magazine #54 apr 99

In der Diskussion über den Verstand wird die Intensität der behinderten Gedanken als Trennlinie zur Introspektion verblüffend schnell akzeptiert. Die Vorstellung, mit Techniken den dunklen drastischen Einfluß der unbewußten Triebe zu organisieren, führt zu einer unklaren Entscheidung – durch Weigerung zur Verantwortung hier das Risiko der Analyse mit Ekel zu konfrontieren? Die skeptische Weltangst wird durch das Gesamtverständnis als existentielle Paradoxe gefürchtet, obgleich der hochmütigen Menschheit undurchsichtige Kritik an der Verzweiflung zur Verpflichtung eines Lebensweges durch gewagte Moralvorstellungen der gleichgültigen Bedeutungslosigkeit der Betrachtungsweise zu einer umspannt aussichtslosen Mißbildung des unheimlichen Wertekosmos unausweichlich kombiniert werden muß. Die verwurzelte Grundlage wird durch die unberechenbare Vermittlung der übernatürlichen Rächer und deren Verbindungen gewaltlos, aber krisenhaft zerrissen. Um wenigstens den gewöhnlichen Einfluß der Glaubwürdigkeit zu bekräftigen wird kollektive Verschwiegenheit mit den üblichen langwierigen Leid- und Schreckens- Absurditäten gerechterweise unterhaltsam trainiert. Die Sinnlosigkeit der bedeutenden Erfahrung, kann auch unter dem verfremdeten Beiklang von Angst und Schuld nur durch einschneidenden Wandel und durch Austausch der Denkweise als Übergangsritus bestätigt werden. Um auch diesen Zustand zu übergehen, und die besitzlosen Gedanken fernzuhalten werden Reize der Atmosphäre nicht als Zeitströmung erfaßt. Dennoch sollte die Handlungslogik (kosmisch sensibilisiert) weitgehend undurchschaubar eingeschätzt werden. Zu diesem Zweck wird eine mobile Zentrale eingerichtet; um auch verfremdete Musterfälle der Filmgeschichte auf Ihre Wahrheitsbestimmung sittlich zu prüfen. Die konkret subjektive Erkenntnis eines Individuums - geprägt von den Eingaben der Zentrale - behindert zunächst jede gewagte weise Entscheidung. Die Behandlung wird zur Methode. Konzentration, Umwelt, Kontakt und Verhalten lassen vergessene Charaktere beruhigt im Gefühlsleben von problematischen Fehldeutungen. Körper, Muskulatur und Bewegungsdynamik aber auch Kleidung, Hygiene und Ernährung sind äußere Signale der inneren Realitäten. Die Schrottprogramme vergrößern sich nahezu von selbst, da die Zentrale unverschämterweise direkte Medienberichterstattung vornimmt. Das Spiel gerät aus den Fugen, die anfängliche Verschwiegenheit kann unter dem enormen psychischen Druck nicht mehr eingehalten werden, der Streß maximiert sich, von Disziplin wagt nun keine Seite mehr zu sprechen. Mit dem sozialen Status ist es nun vorbei, nicht aber mit den kulturspezifischen Stellenwerten. Die Befindlichkeit der Konsumenten wird gelegentlich stimuliert. In Erinnerung an aktive Triebe wird der Hormonspiegel bizarr reflexiv überprüft. Der schöpferisch verzerrte Prozeß verliert an Menschenwürde. An Selbstverwirklichung ist durch inakzeptable Motivationskraft, nicht zuletzt auch wegen Scham und Schuld nun nicht mehr zu denken. Die verbotenen Verhaltensmuster werden verdrängt, wertlose Nebenneurosen kommen instinktiv auf. Pseudodemenz, IQ und Gnosis werden unter schwierigen Bedingungen geprüft, obgleich die Aussagekraft dieser Erkenntnisse als gering einzuschätzen ist, da die Objekte bereits seit längerem unter globalstrategischen Vertrauensverlusten leiden. Der Gedanke an die Vorstellung , die Zentrale würde international mit Singvögeln kooperieren und diesen bestimmten Satzmuster einprägen, läßt empfängliche Tiefe vermuten. Um der neuen Dimension mehr Struktur zu verleihen wird die Geräuschkulisse humanistisch verändert. Schlaf und Traum haben wieder Raum obgleich die impulsive Verdrängung bestimmter Gehirnströme zunächst eine beunruhigende Bewegung der Emotionen erahnen läßt. Hyperaktive aber auch apathische Zustände beeinflussen den wahrgenommenen weiteren Verlauf. Sex und Bildung werden vernachlässigt. Private Isolation und aggressives Verhalten lassen zunächst keine weitere menschenwürdig angepaßte Integrität erkennen…

Reel