Sphere

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Author: sphere
Date: Mar 16, 2002
Views: 2379
Area: Producers

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p r o f i l e

 

 

Cocktails und Lavalampen

"Sphere" gehen mit ihrem Debüt "Rotation" neue Wege. Sechs von zehn Stücken bestechen mit Vocals, die über die üblichen Hooklines hinausgehen. Neu ist auch die Art, wie die drei Produzenten ihre Musik präsentieren werden. Einerseits wie gewohnt als Party-Live Act. Und andererseits als Band.

"Sphere" sind Uwe Lübbers, Hilton Theissen und Linus Wessel. Die beiden erstgenannten sind als "Akanoid" bekannt und durch das Debüt "Best Off". Linus Wesseln nahm zusammen mit Sebastian Krüger als "Tarsis" zwei für die Progressive Trance-Richtung wegweisende Alben auf. Im April 2000 trennten sich ihre Wege, Linus suchte neue Mitstreiter. Die fand er in seinen langjährigen Bekannten Hilton und Uwe.
Erstes Ergebnis dieser Zusammenarbeit war eine 12-Inch auf Spirit Zone. "Voices" sowie zwei Ambientstücke auf Compilations erschienen unter dem Namen "Space Fish", der die drei zudem als Live Act ankündigt. Aber warum "Rotation" unter "Sphere" rauskommt? Linus weiß es eigentlich auch nicht genau: "Wir haben zwei Projekte, weil in unserm Metier ja nicht so die Namensabhängigkeit besteht wie anderswo. Außerdem wissen die Leute mittlerweile, wer hinter welchem Projekt steckt. Am liebsten würde ich sowieso als ,Space Fish Productions' auftreten, dann könnten wir Sphere- und Space Fish-Stücke endgültig in einem Act bringen." Somit gibt es nicht einmal musikalische Gründe zur Trennung der beiden Projekte. Später stiften die Herren noch mehr Verwirrung: Nach dem Sphere-Release wollen sie ein Space Fish-Album aufnehmen. Da überrascht es um so mehr, daß sie in einer sehr aufgeräumten Wohnung leben - und das als Musiker!
Aufgeräumt ist das Live-Konzept zwar nicht, aber klar. Erstmal wird die ruhige Seite der Stücke im Club oder im Party-Chill Out präsentiert - oder mit Hiltons Worten gesagt "im Lounge-Bereich, so mit Cocktails und Lavalampen." Hier soll nicht wie bei Party-Sets auf Playbacks zurückgegriffen, sondern mit Musikern aus Fleisch und Blut als Band aufgetreten werden. Erst später werden Party-Live Acts folgen. Uwe: "Wir haben ja alle drei schon Banderfahrung und wollen Musik mal wieder anders präsentieren." "Schon das Proben als Band", ergänzt Linus, "mit einer Kiste Bier in der Mitte, ist ganz anders als das Producing im Studio." Da sitzen nicht ständig alle zusammen hinterm Mischpult, sondern die kreative Arbeit besteht im gegenseitigen Ausbauen von Ideen, bis ein Track fertig ist. Sphere haben versucht einen Weg zwischen Studio- und Proberaumkreativität zu finden, bezeichnenderweise beim Titelstück "Rotation": Sie sprachen sich auf ein Tempo und eine Tonhöhe ab und gaben jedem zwei Stunden Zeit, Spuren zu bauen. Danach wurden die Spuren so miteinander kombiniert, daß sie einen Ambienttrack ergaben.
So arbeiteten die Fredeburger aber nur an diesem Stück. Das Album insgesamt entstand weniger kontinuierlich in sechs Monaten. "Wobei die letzte konkrete Session, die zur Gesichtsgebung des Albums maßgeblich war, wo der Großteil der Tracks in Folge entstand, ungefähr anderthalb bis zwei Monate dauerte", präzisiert Hilton. "Drei, vier Stücke waren vorher schon fertig, die sind über den Zeitraum hinweg produziert worden neben Tracks für Space Fish und Akanoid." Hilton sieht die Gefahr, daß bei einem zu langen Produktionszeitraum die Tracks auf einem Album zusammengewürfelt klingen, wenn sie aus mehreren Sessions entstammen mit arg unterschiedlichem Sound. Am Fließband produziert könnten sich die Stücke wiederum zu sehr ähneln. "Deshalb ist es sehr fruchtig, wenn man Pausen einlegt und etwas anderes macht."
Beispielsweise Fremdproduktionen: Neben neuen Maxis für Space Fish und Akanoid coverten Akanoid für einen "Nine Inch Nails"-Tributesampler den Klassiker "Sin" von der "Pretty hat machine". Außerdem remixten Sphere für die Pop-Waver "Psyche" die aktuelle EP "Sanctuary". Den hält Psyche-Frontmann Darrin Huss für seinen Lieblingsmix. Damit aber nicht genug der Ehre durch eines der Jugendidole des Trios. Wie Thomas Elbern, Sänger der legendären Indie-Rocker "Escape with Romeo", ging Darrin interessiert auf Sphere zu, schrieb Texte und singt auf "Rotation". Beide arbeiteten aber nicht als angeheuerte Studiosänger, sondern brachten ihre eigenen Künstlerpersönlichkeiten mit auf die Platte.
Sphere sahen sich gegenüber einer grundsätzlichen Schwierigkeit beim Arbeiten mit Gesang. Gliedert der sich wie bei Rock- oder Popstücken in Strophen und Refrain auf, so ist es schwierig, daß Gesang und Tanzbarkeit des Tracks nicht gegeneinander arbeiten oder der Track sogar überlagert wird von den Vocals.
Sphere fanden Lösungen für die sechs Gesangsstücke auf "Rotation", um genau zu sein drei. In den trockenen Stomper "Symbiont" ist ein B-Song mit Hiltons Stimme eingebaut. Ganz anders "Still" und besonders das charttaugliche "Golden Days", die waschechte, auf den Gesang ausgelegte Popsongs sind. "Outside", "New Beginning" sowie der Remix des Akanoid-Titels "Walking on air" können sowohl als Elektropop als auch als Trance verstanden werden. Mit Ausnahme des chilligen Titelstücks sind die übrigen Tracks flächig-progressiv.
Bei dieser Art und Menge Vocals zu verwenden, veröffentlichen die Sauerländer nicht unbedingt ein totsicher erfolgreiches Ding für die Trance-Szene. Mit kurzen, den Tanzfilm kaum störenden Hooklines, wie sie üblich sind, wäre ein gut verkaufendes Album sicherer gewesen. Jedoch mit Insolation als Label im Rücken, das in derAlternative-Szene verwurzelt auch in der Trance-Szene arbeitet, könnten so neue Hörer gewonnen werden. Außerdem wollten die Produzenten nicht auf die beachtliche Bandbreite der menschlichen Stimme als Instrument verzichten, selbst wenn jedes Wort eine Message transportiert. Diesen Nachteil nehmen Sphere in Kauf.
"Wir brauchen nicht mehr unter Beweis stellen, daß wir tanzbare Bretter produzieren können," resümiert Linus über das Experiment. "Musik ist immer etwas, was aus einem heraus entsteht, ohne ausgerichtet zu sein - das unterscheidet ja beispielsweise die Szenemusik von kommerzieller Musik. Würden wir zielgerichtet produzieren, würden wir sowieso Hip Hop oder Kommerz-Trance aufnehmen." (Regenmann, 03.09.2001)

   

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